18.-27. Dezember 2018,
Istanbul
5045km gefahren
Istanbul, 32+18km
Die erste Sache, um die wir uns in Istanbul kümmerten war, Flugtickets von Istanbul in den Iran zu kaufen. Mit der Metro am Flughafen angekommen, klapperten wir die ersten Schalter ab, an denen uns aber keiner weiter helfen konnte. Schon ziemlich verzweifelt liefen wir weiter auf dem Flughafengelände durch die Gegend. Daraufhin fragte Antonius die anderen drei, ob die ein bestimmtes Ziel vor Augen hätten. Die anderen drei entgegneten mit: ,,Warte ab, unser Glück trifft uns gleich bestimmt wieder!!“. Und so war es tatsächlich. Nach zwei Minuten sahen wir eine Frau, die wohl gehört hatte, dass wir deutsch sprechen. Daraufhin drehte sie ein Schild um, auf dem Stand, dass sie uns auf deutsch weiterhelfen könnte. Einige Zeit später, verließen wir den Flughafen, mit vier Tickets für den 28.12. nach Teheran, in unseren Händen. Bevor wir zurück zur Gastfamilie fuhren, gingen wir noch zu einem Kaffee, wo wir unseren ersten türkischen Café in Istanbul tranken. Der Kaffeebesitzer Tuncay erläuterte uns noch seine Standpunkte zu der Türkei, wodurch wir einen ersten Einblick in die Gedankenwelt einiger Türken bekamen. 
Nachdem wir drei wunderbare Nächte bei unserer Gastfamilie in Istanbul verbracht hatten, hieß es irgendwann Abschied nehmen, und weiter in eine zentraler liegende AirBnB-Wohnung zu ziehen. Los kamen wir natürlich wieder sehr spät, weshalb wir die 32km ab ca. 18:12 Uhr im dunkeln über die Straßen von Istanbul fuhren. Nach einigen Kilometern hielt uns ein Mann am Straßenrand an, der wissen wollte wo wir herkommen und was wir machen. Nach einem kurzen Plausch, landeten wir mit ihm in seinem Auto, wo wir fünf uns zusammen ein paar Gläser Whisky, den er vom Frankfurter Airport mitgebracht hatte, gönnten. Am späteren Abend gingen wir noch in eine Bar, im dem Stadtteil Beyoğlu, wo es uns am darauf folgenden Tag wieder hin verschlug. In einem Club in der Nähe, zappelten wir dann noch eine Runde zu wilder Techno Musik, bis in die späten Stunden. 
An Heiligabend wollten wir uns mal was besonderes gönnen. Weshalb wir, nachdem wir auf dem großen Basar waren uns in diversen Supermärkten, auf unserem Weg zurück zur Wohnung, verschiedenste Lebensmitteln besorgten. Von Kartoffeln über Datteln zu Schokoladenpudding und Baklava, alles hatten wir außer Shrimps. Natürlich hätten wir auch einfach zum Fischmarkt fahren können, allerdings war es dafür schon zu spät. Nachdem wir schon fast alle Supermärkte abgeklappert hatten und uns langsam vom Gedanken Shrimps zu essen abgewandt hatten, sahen wir einen Carfour Markt. Dort wurden wir fündig. Jetzt stand unserem Weihnachtsmal nichts mehr Wege. 
Ohne Familie, Weihnachtsdekoration und Schnee war es ein ganz anderes Weihnachten als wir es gewohnt waren. Allerdings konnten wir vier es zu unserem eigenen Weihnachtsfest machen. 
Nachdem wir noch am letzten Tag einige Sehenswürdigkeiten abgeklappert hatten, auf der asiatischen Seite Istanbuls waren, Marian und Gerrit sich in einem Hamam ordentlich durchschrubben ließen und wir die Wohnung wieder aufgeräumt hatten, begaben wir uns um 8:00Uhr zum Flughafen. Dort packten wir unsere Matratze aus, um eine etwas angenehmere Nacht am Flughafen zu verbringen.
ISTANBUL
18. Dezember 2018
4995 km gefahren 
Sultanköy-Istanbul, 60km
Welch ein besonderer Tag dies doch sein sollte. Und er bleibt uns auf jeden Fall unvergesslich. 
Die Nacht haben wir in einem sehr bequemen Bett quasi Sultanlich überstanden. Leider waren die Betten so weich, dass es ein Ding der Unmöglichkeit war um 10 Uhr die Taschen gepackt am Fahrrad hängen zu haben. Man versank ohne es zu wollen wieder.
11:42 Uhr - sich beim netten Hotelier für den Sand den wir in seinem ganzen Hotel verteilt haben entschuldigt. Dieser meinte jedoch es sei in der Türkei kein Problem, anders als in Deutschland. Er habe nämlich vor etlichen Jahren dort gearbeitet und Wisse von deren Ordnungen. Nach der folgenden verabschiedung sind so vermutlich seine einzigen Gäste vom Hof gerollt. 
An der Promenade Sultan Köys haben wir dann gefrühstückt. Es war zwar windig, bewölkt aber zum Glück trocken. Gut gestärkt sollten die letzten 60km bis zu unserer Gastfamilie also kein Problem sein. 
Aus eigentlich kein Problem, wurde schnell ein Problem. Die vom Meer wehende "Brise" stellte sich als permanent andauernder Gegenwind heraus. Und als wäre dieses nicht genug, wurde aus dem 2m Randstreifen ein unregelmäßiges 50cm Randstreifchen. So kämpften wir uns mit 13km/h die Straße entlang und fielen dann in ein Windloch wenn die Lkws an uns vorbeirasten. Daraus resultierte ein Schlenker auf die Straße oder in die Leitplanke. Schnell relativierte sich der Gedanke gestern eine der schlimmsten Etappen gefahren zu sein. Heute war eindeutig schlimmer, anstrengender, ätzender und schlussendlich auch scheiß gefährlich. 
Der Versuch über Nebenstraßen durch die kleinen Orte entlang der Landstraße Richtung Istanbul zu kommen wurde auch schnell in den Sand geworfen, weil die Höhenmeter auf dass doppelte stiegen... 
Also hat sich jeder Kopfhörer in die Ohren gestopft und mit seiner eigenen Melodie auf den Lippen die Kilometer bis zum Ziel runter gezählt. Nach den ersten 30km kauften wir noch schnell bisschen Schokolade und Bananen für die Energie. Die eigentlich lange Pause wollten wir in mehrere kurze Pausen splitten, denn bei dem Wind und den, wie kann es anders sein, noch einsetzenden Regen ist sitzen nicht wirklich entspannt. 
Glücklicherweise wurden wenigstens die Höhenmeter weniger und auch die Vorfreude unser lang anvisiertes Zwischenziel zu erreichen stieg. 
Gegen Abend wurde dann leider die Straße immer voller, während das Sonnenlicht immer weniger wurde. Aus den zwei Spuren wurden drei mit einer vierten Auf- oder Abfahrt alle 500m. 
10km vor unserem Ziel wurde die Straße von den ersten Hochhäusern flankiert. Hier war dann auch der Moment, wo wir ziemlich mit den Kräften am Ende auf dem Straßenrand standen und feststellten, dass unser Ziel auf der anderen Seite der Autobahn nur über eben diese zu erreichen war. Der Versuch die Navigation für Fußgänger zu nutzen endete vor Treppen. Deswegen ging es wohl oder übel auf die extrem volle Autobahn in der Hoffnung nicht vom Rad gekickt zu werden. Wirklich dunkel war es zum Glück nicht, denn die unzähligen Lampen und Lichter, der riesigen und zahlreichen Hochhäuser erhellten die Straßen. Zwei Kilometer vor unserem Ziel konnten wir die Autobahn verlassen und während wir dort auf dem Bürgersteig standen und auf die Straßenkarte im Handy starrten, kam ein netter Mofafahrer der uns fragte ob wir Hilfe bräuchten. Als wir ihm unsere Zieladresse zeigten, kannte er direkt den Weg und fuhr uns vorraus. Wir konnten zum Glück mithalten, denn es ging nur noch Berg ab. Endlich angekommen! Zwar wie sich beim Anruf unserer Warmshower ergab eine Straße zu weit, allerdings konnten wir 5min später unsere Räder in die Richtige Garage schieben. Unsere Warmshower stellte sich als sehr nette sechsköpfige Familie heraus und praktischerweise konnte die Mutter konnte fließend Deutsch. Nach der Dusche und einem leckeren Essen sind wir müde ins Bett gefallen. Vielleicht haben wir ja bis zum nächsten Morgen wirklich realisiert, dass wir Istanbul erreicht haben.
16.-17. Dezember 2018
Sultanköy
4935km gefahren
İpsala-Malkara-Sultanköy, 57km+97km
Fahrrad fahren im Winter in der Türkei? Schrecklich! Problem Nummer eins ist, dass man durchgehend an der Hauptstraße fahren muss, da es keine anderen Wege gibt. Problem Nummer 2 ist, dass die Straße sich nicht über flache Ebenen ziehen, sondern durchgehend über Hügel und Berge, also ein ständiges auf und ab. Das dritte Problem ist, dass das Wetter dich zum verzweifeln bringt. Kälte, Regen und Gegenwind. 
Diese drei Probleme haben uns in den ersten paar Tage in der Türkei, das Fahrradfahren vermiest. 
Was allerdings positiv zu vermerken ist, sind die Menschen hier in der Türkei. Vor allem in den Städten, kommen die Leute auf einen zu, fragen einen wo man her kommt und ob man Hilfe braucht. Als wir am 16. Dezember nach Malkara gefahren sind, um uns dort eine SIM Karten zu kaufen, wurden wir erst von einem 18. jährigen Jungen in die Innenstadt geschickt. Dort kam dann eine Gruppe von Kindern auf uns zu, die uns dann zu einem Vodafone Shop geführt haben und uns später noch halfen unsere Wasserflaschen aufzufüllen. Und das ist nur ein kleiner Teil der Begegnungen, die wir an diesen Tagen hatten. Ein Problem was einige Leute hier allerdings haben ist, dass sie strikt gegen Flüchtlinge sind. Weshalb an diesem Abend schon wieder einige Autos an dem Acker wo wir diese Nacht schliefen anhielten, um zu checken ob wir Flüchtlinge sind. 
Da wir nicht sehr angetan waren von der Landschaft der Türkei und endlich in Istanbul ankommen wollten, entschieden wir uns dafür eine relativ große Strecke bis nach Sultanköy zu fahren, wo wir uns eine Unterkunft gebucht hatten, da unsere Zelte schon wieder nass waren und die Kälte uns schon wieder zu viel war. Bevor es losgehen konnte mussten wir aber erstmal die lehmige Erde von dem Acker unter unseren Schutzblechen wegkratzen. Nach 50 km ausgekühlt und ausgepowert in Tekirdağ angekommen, setzten wir uns zum wärmen und da wir Hunger hatten, in einen Kebabladen. Dort haben wir wieder einige nette Leute getroffen. Von dort aus ging es weiter am Meer. Wir hofften, das es dort etwas flacher wird, was sich aber nicht bestätigte, weiterhin rauf und runter. Dazu Fing Marians Gangschaltung auf einmal an Teilweise ihren Geist aufzugeben. (Shimano 11 Gang Nabenschaltung. Hat bis dort hin keine Probleme bereitet, allerdings ist jetzt der elfte Gang nicht mehr nutzbar. Mal gucken wie es damit weiter geht, wir halten euch auf dem laufenden!) die letzten 30 Kilometer ging es dann in der Dunkelheit bis nach Sultanköy, wo wir nach einer Warmen Dusche müde ins Bett fielen mit dem Wissen, dass es nur noch 100km bis zu unserem ersten Großen Ziel Istanbul sind.
15. Dezember 2018
Ipsala
4781km gefahren
Alexandropoulis-Ipsala, 53km 
Direkt am Meer aufgewacht und froh, dass es trocken war als wir aufgestanden sind. Heute sollten wir Griechenland verlassen und wollten eigentlich zu einer Warmshower ca 100 Kilometer entfernt fahren. Da diese uns leider nicht geantwortet hat, sind wir so losgefahren und das zum Glück mit trockenen Zelten. Dass wir an diesem Tag sowieso keine 100 Kilometer schaffen würden, wurde uns schnell klar, da wir alle etwas fertig waren und schon nach 23 Kilometern unsere Brotzeit abgehalten haben. Also nur noch über die Grenze kommen und fertig lautete dann unsere Devise. Eine echt sehr ernüchternde Tour, die etwas euphorisiert wurde, als wir acht Kilometer vor der Grenze wieder auf die Autobahn gefahren sind. Wir hatten Nordgriechenland alle irgendwie satt. Sehr ernüchternede Stimmung und vor Allem sehr hässliche Bebauung des Umlandes. Naja, Irgendwie wollten wir auch irgendwie bald mal ankommen... Es sollte ein etwas anderer Grenzübergang werden als die Vorherigen. Zunächst durch die griechische Schleuse, dann über einen engen Straßeabschnitt, wo wir erst von zwei griechischen Soldaten angehalten wurden und dann nach unerklärlichen Gründen, sind wir fünf Minuten später weitergeschickt worden. Am Ende des dünnen Straßenabschnitts wunken uns die ebenfalls mit großen Gewehren bewaffneten türkischen Soldaten so durch. Anschließend dann noch durch die Türkische Schleuse. Wiedermal waren wir glücklich, dass wir mit unseren Fahrrädern unterwegs waren, da wir an der langen Autoschlange vorbeigewunken wurden. Nachdem unsere Pässe kontrolliert worden waren, konnten wir die letzte Schleuse so passieren, nachdem wir die Frage, ob wir Drogen dabei hätten, verneinten. Dann sind wir ein paar Kilometer gefahren, und beim ersten Ort abgebogen, in der Hoffnung, etwas freies für unsere Zelte zu finden. Und direkt hielt ein netter Motorradfahrer an um uns zu helfen. Dieser geleitete uns 100 Meter zu einem Stück Fläche an der Straße umringt von Ackerfläche. Auf etwas matschigen Boden haben wir dann unsere Zelte aufgeschlagen und konnten noch in Ruhe kochen. Ein Schlafplatz der skurilleren Sorte, aber egal. Bevor wir schlafen gegangen sind, kam aber noch ein Streifenwagen vorbei, jedoch zogen die Polizisten direkt wieder ab, als sie einmal um unsere Zelte gelaufen sind und unsere Fahrräder gesehen haben. Also alles cool und wir konnten pennen gehen.