27. Oktober 2018

Domio

3010km gefahren


San Giorgio di Nugaro - Domio, 71km


Kann bitte endlich jemand diesen verdammten Hahn abstellen??? Antonius und Marian, welche im Gegensatz zur anderen Zeltpaarung nachts keine Ohrstöpsel in den Ohren tragen, wurden deshalb, ab ca. 6:00Uhr von einem alle paar Minuten krähenden Hahn, wieder und wieder geweckt. Als der Hahn dann endlich mit dem krähen aufhörte, war es um 9:00 Uhr, Zeit aufzustehen und zu frühstücken. Dann die Sachen zusammengepackt, mit dem Ziel Trieste und endlich aus Italien raus zu kommen. Los ging es wieder mal auf einer Landstraße und durch endliche Dörfer. In einem hat sich Antonius einen neuen Flaschenhalter zugelegt, im anderen wurde eingekauft. Da uns anschließend auffiel, dass am nächsten Tag Sonntag ist mussten wir für weitere Mahlzeiten einkaufen gehen. Dies verschlug uns in einen vermeintlichen Supermarkt, der wie sich später herausgestellt hat ein Baumarkt war. Dort wurde dann nur eine Schöpfkelle gekauft, damit wir unsere Geschäfte immer unter trockenen Tüchern abwickeln können bzw. eher unter feuchtem Laub. Da wir unsere vorherige Schaufel unter mysteriösen umständen verloren. Weiter ging es bis kurz vor Trieste, wo wir dann tatsächlich einen Supermarkt fanden. Schnell reingesprungen und die nötigen Lebensmittel besorgt. Endspurt nach Trieste. Auf den letzten Kilometern in Richtung Stadtzentrum, ging es hauptsächlich bergabwärts, dies brachte allerdings nicht viel, da man aufgrund des starken Gegenwindes trotzdem feste in die Pedale treten musste, um voran zu kommen. Zu unserem Vorteil, konnte man dabei wieder mal eine super Aussicht, auf das lang vermisste Mittelmeer genießen. Unten in Triest angekommen merkten wir, dass wir voll in ein Loch gefahren sind und es wurde schon dunkel. Rund um den Hafen von Triest nur Hügel, mit sehr hochprozentiger Steigung. Blieb uns allerdings nichts anderes übrig als rauszufahren. Aus Italien würden wir es heute ehh nicht mehr schaffen, also Musik auf der Box voll aufgedreht und ab geht die Post. Feierabendverkehr, Gegenwind und Dunkelheit eine sehr tolle Kombination. Nach einigen Kilometern aus Triest raus suchten wir uns mit der Satelliten einen grünen Fleck auf der Landkarte. Der Weg dorthin zog sich dann noch durch ein Industriegebiet, eine Siedlung und an einer Baustelle vorbei. Dann hoch auf einen sehr bewachsenen Hügel. Von dort aus konnte man eine tolle Aussicht über Triest genießen. Ein tolles Lichterspiel von Autos, Wohnhäusern, Fabriken und was sich sonst noch alles in einer Stadt rumtreibt. Danach noch eine leckere Tofu- Gemüsepfanne mit Reis hergezaubert und die Zelte aufgebaut. Später stellte sich dann heraus, dass der Boden unter den Zelten extrem uneben war. Dazu sollte es die ganze Nacht durchregnen. Mal schauen ob da jeder am nächsten Tag ausgeruht aus dem Zelt kommt.

26. Oktober 2018

San Giorgio di Nogaro

2939km gefahren


Musile di Piave - San Giorgio di Nogaro, 70km


Morgens aufgestanden und huch, was war das denn? Da hatte uns doch tatsächlich jemand was zum frühstücken still und heimlich, während wir nich schliefen, an unsere Zelte gelegt. Die liebe Sabine, die deutsche, die wir am Vortag getroffen haben und uns den Weg zu unserem Schlafplatz beschrieben hatte, hatte uns ein Baguette, vier Schokocroissants, eine Flasche Milch und einen netten Brief an unseren Zelten hinterlassen. Vielen Dank an Sabine, wir haben uns sehr gefreut! Und da wir sogar selber schon reichlich zum frühstücken hatten, viel unser Frühstück besonderes reichhaltig aus. Gleichzeitig waren wir noch sehr froh darum, dass sich Sabines Prophezeiung von reichlich Regen in der Nacht nicht bewahrheitet hatte. Somit konnten wir mit vollen Mägen und trocken Zelten im den Tag starten. Und weiter ging es auf ewig langen flachen Straßen. Sehr langweilig landschaftlich, jedoch praktisch um schnell voran zu kommen. Bis knapp 50km könnten wir entspannt radeln, bis wir den Drang nach einer Brotzeit verspürten. Also dann einkaufen, Brotzeit zu uns nehmen. Währenddessen wurden wir Zeuge eines Kriminaldeliktes. Eine alte Dame trug in sorgfältiger Kleinarbeit Eimer für Eimer mit Laub gefüllt in den Park, wo wir uns ebenfalls wegen unserer Brotzeit niedergelassen haben. Dort wurde wiederum das Laub sorgfältig verteilt, sodass Niemand den Braten auch nur erahnen könnte... Tatsächlich das spannendste, was an diesem Tag passiert ist. Gegen kurz vor halb sechs wurde dann entschieden, dass bei Kilometer 70 mit der Schlafplatzsuche begonnen werden solle. Da diese gegen halb sechs erreicht waren, wurde das erste Haus am Straßenrand anvisiert. Einmal Kurz fragen und der hilfsbereite Italiener führte uns hinter sein Haus auf sein Grundstück. Schlafplatzsuche beendet. Also konnten wir uns noch in Ruhe waschen und zeitig kochen und essen und uns unseren Luxus von vier Flaschen Dosenbier gönnen.

25. Oktober 2018

Musile di Piave

2869km gefahren 


Lugetto - Musile di Piave, 55km

Sollen wir über diesen Tag wirklich einen Bericht schreiben oder ihn besser verschweigen? Das war die Frage nach 30km um 17 Uhr. Und das nach einem Pausentag. Wie peinlich. Eigentlich ist es uns wie gesagt egal wieviele Kilometer wir machen, denn wir wollen ja reisen und die Dinge abseits des Weges erleben. Aber am heutigen Tag gab es absolut keinen Grund keine Kilometer zu machen und trotzdem kamen wir nicht voran. Denn am Wegesrand war nichts als Flughafen und Industriegebiet und es ging immer entlang einer Schnellstraße. Lange, gerade Schnellstraße durch eine flache Landschaft mit hässlichen Bauten. Das wird wohl von Italien hängen bleiben. Nicht nur. Auf keinen Fall. Aber auf jeden Fall ein Bild. Eins das wir von Italien bisher noch nicht kannten. Dass wir ohne Fahrrad wahrscheinlich nie erfahren hätten. Es ging für uns entlang der Küste, die wir aber selber nie sahen, in Richtung Norden, nach Trieste. Natürlich sind wir spät losgekommen, da wir nocheinmal den Luxus des Campingplatzes ausnutzen mussten: WLAN, Strom, Dusche. Um 13 Uhr wurde dann bezahlt. 50€. Das drückt auf unseren kleinen Geldbeutel. Aber was will man machen. Wir hatten niemanden gefunden, der uns hätte aufnehmen wollen oder können, also war uns ja nicht viel anderes übrig geblieben. Viel Natur gibt es hier auch nicht. Allgemein wirken die Leute hier eher verschlossen. Natürlich darf man nicht verallgemeinern, aber so war unser Eindruck der Region bzw. des gesamten Gebietes, welches wir hier in Italien durchfahren. Dieser Eindruck, wurde auch am heutigen Abend bestätigt. Aber vorher noch einmal im Schnelldurchlauf die Etappe. Interessant war diese wirklich nicht. Wir kamen schwer ins rollen. Wir mussten viel anhalten um uns neu zu orientieren, da uns das Navigationsgerät über Venedig führen wollte und wir uns nach Schildern orientieren mussten. Zum allem Überfluss, ist dann auch noch ein Haken von Thomas Ortlieb Tasche abgebrochen, da dieser an einer Leitplanke hängen geblieben ist. Auf diesen Schreck, erstmal zu Mittag gegessen. Weiter ging es über Landstraße, mit hupenden Autos und totgefahrenen Tieren. Als zum Abend hin zwei große, schwarze Wolkenfronten an den Himmel zogen machten wir uns auf die Suche nach einem Platz für die Nacht. Vorbei an merkwürdigen Agritourismo Besitzern, trafen wir auf Sabine. Diese konnte zu unserem Entzücken deutsch. Sie erzählte uns etwas über die sehr verschlossenen Leute, die in dieser Region leben und erklärte uns einen Weg zu einer Wiese, auf der wir übernachten könnten. Dieser Beschreibung gefolgt, haben wir uns nach kurzem suchen, neben einem Feld niedergelassen, unsere Zelte aufgebaut und schnell was gekocht. Genug von diesem eher enttäuschenden Tag, vielleicht wird morgen ja besser.

24. Oktober 2018

Lughetto/ Venedig 

2814km


Lughetto-Venedig-Lughetto, 6km gefahren 


Es war schon neun gewesen, als wir unsere Augen aufschlugen.

Thomas ging noch duschen und auch der Rest erhob sich um die erste Mahlzeit des Tages zu empfangen. 

Es wurde uns endlich wieder Müsli gereicht zur Freude von 3/4 der Chaoten. Der jüngste ist mit Rosinen nicht so per du.

Mit einem wohlig gefüllten Magen, stand Stadtbesichtigungsplanung an. Da wir auf einem Campingplatz waren, konnten wir ohne Probleme unseren Krempel stehen lassen und so geschwind zum Bahnhof radeln. Wir haben den Zug um 13:06 angepeilt und wenn es gerade mal elf Uhr ist, haben wir ja noch Jaaahre Zeit uns für den Aufbruch zu bereiten.

Es wurde natürlich stressig. Um 12:50 Uhr saßen wir im Sattel und gaben Hackengas. Denn wir mussten ja nicht nur in den Zug springen sondern die Räder Diebstahlsicher abschließen und Tickets kaufen.

Letzteres wurde dann doppelt Kompliziert denn es gab nur einen Tabacciladen der Tickets verkauft und die "nette" Dame kam vor unseren Augen raus und verschloss den Laden keine Minute zu spät. Siesta! Erst wieder ab drei Uhr geöffnet. Kein bitten half ihre Mittagspause um eine Minute zu verschieben.

Rat- und Ticketlos ging Antonius zur neben dem Bahnhof stehenden Bar und erfuhr, dass der Ticketkauf auch im Zug möglich ist.

Also 13.06 Uhr Abfahrt Richtung Venezia. Die Fahrt verging wie im Flug und schon standen wir im venezianischen Bahnhof, auf dem Bahnsteig ohne je den Schaffner gesehen zu haben, bei dem wir unser Ticket hätten kaufen können.

Danke, an die "nette" Tabacciladendame die uns zum "Schwarzfahren" angestifftet hat!

Was nun folgte ist irgendwie klar.

Venedig gleich Rialtobrücke, Markusplatz, viele Kanäle, Brücken, nette Gassen, Gondoleure und natürlich Touristen.

Diese klassische Venedigbesichtigung sollte also um 18:19 beendet werden und uns der Zug zurück zum Bahnhof Casello 11 bringen. 

Wurde natürlich erst der Zug um 19:19 Uhr genommen, denn Venedig ist größer als man denkt. 

Und wir wollten noch ein Ticket kaufen, denn wie schon Albrecht Dürer über Venedig sagte:"O, wie wird mich nach der Sonne frieren! Hier bin ich ein Herr, daheim ein Schmarotzer."

Das Zitat wurde zufällig beim Venedig googlen gefunden...

Zurück am Campingspot haben wir noch Couscous mit Tomatensoße verfeinert mit Zucchini und Oliven gekocht und gegessen. 

Müde fielen wir danach ins Bett.

23. Oktober 2018

Lughetto 

2716km gefahren 


Ziamella - Campagna Lupia, 98km


Die "Anstrengungen" des Pausentage mussten erstmal wieder ausgeschlafen werden. Also Fazit des morgens. Spät aufgestanden und ein wundervolles Frühstück mit Resten vom Abend zuvor diniert. Zuvor hat Thomas schon den Schlauch des Hinterreifen gewechselt, denn dieser hatte schon wieder ein Loch.

Bei bestem Wetter wurden dann die Zelte abgebaut und der ganze Stuff zurück in die Taschen verfrachtet.

Gegen 13:00 Uhr ging es dann los. Bisschen beschämt, dass bis Venedig noch ca. 100km zu fahren waren, denn eigentlich hatten wir gedacht diese Etappe in 2 Tagen locker zu reißen.

Aber nicht demotiviert davon, ging es los, immer Richtung Osten gen Padua. Den Wind leicht von Hinten. Landschaftlich erinnerte es uns immer noch an das platte Münsterland, sogar mit picobello gemähten Randstreifen. Die Hügelskyline im Norden, welche uns die ersten km begleiteten natürlich abgesehen.

Um 15:30 Uhr war dann schnelle Brotzeit angesagt. 16:00 Uhr ging es weiter. Einfach dem Radweg Richtung Padua folgen.

Kurz vor Padua noch einmal für den Abend und nächsten morgens einkaufen und dann munter weiterradeln.

Weitere 5km sind wir dann in Padua auf den "Prato della Valle" gerollt, um dort erstmal angepfiffen zu werden, da hier geschoben werden muss. Auf dem Weg wieder hinaus, die Zeit war schon weit vorraus geschritten sind wir noch in die Kirche Gustina gesprungen. Allerdings ging unser Plan, hier wieder einen Schlafplatzsuche geboten zu bekommen wie am Vortag, nicht auf.

Nur mit unnötigem Reliquienwissen gefüllt, wieder raus aus der Kirche. Jetzt wurde es allerhöchsten Eisenbahn einen Campingspot zu suchen.

18:00 Uhr: Nur absagen und kein Schlafplatz. 

19:00 Uhr: Nur absagen und kein Schlafplatz. 

20:00 Uhr: Nur absagen und kein Schlafplatz. 

20:30 Uhr: Marian hat über die App 'Park for a night' einen Campingplatz gefunden, den wir nun endlich erreicht haben. Kostet zwar wieder Geld, allerdings mit Dusche und wir sind in unserer kleinen Nachtsession schon wieder 30km seid Padua gefahren. Ergo, der Plan am nächsten Tag bis kurz vor Venedig zu fahren und dort eine bleibe zu suchen verfällt. Nun können wir schon morgen direkt mit Bus nach Venedig fahren.

Nach einer schnellen Kochsession, sind dann alle müde in die Schlafsäcke gekrochen.

22. Oktober 2018

Zimella

2710km gefahren


Verona-Zimella, 46km 


Unser Wochenende in Verona war nun vorbei und die Fortsetzung unserer Tour stand nun wieder an. Da wir aus unserem Zimmer um elf Uhr raus sein mussten, sind wir natürlich pünktlich um halb elf aufgestanden. Natürlich bis auf Thomas, der schon zwei Stunden wach war. Voll bepackt und startklar waren wir dann doch weniger pünktlich um 20vor zwölf, aber egal. Interessiert hat es Niemanden. Doch bevor wir entgültig Verona hinter uns gelassen haben, haben wir noch Thomas Eltern getroffen. Diese haben uns noch einen leckeren Cappuccino und ein Panino ausgegeben. Also starteten wir gegen halb zwei unsere Tagesetappe. Bevor diese so wirklich los ging, sind wir noch eben in einen Aldi gehüpft und haben unseren Essensvorrat aufgestockt. Anschließend ging es dann los in Richtung Venedig. Mit der guten Stimmung aus dem Wochenende konnten wir sehr leicht und entspannt bei sehr schönem Wetter radeln. Streckentechnisch viel schöner als die Strecke nach Verona. Auf einem Deich, der entlang unseres Weges verlief, bauten wir unsere Stühle auf und hielten wieder unsere Brotzeit. So wirklich weiter ging es erst dann gegen zehn vor fünf, was hieß, eine Gute Stunde blieb uns noch, bis wir mit der Schlafplatzsuche starten konnten. Nach einem ersten vergeblichen Versuch, wo Niemand die Tür öffnete, haben wir einen älteren Herrn auf dem Fahrrad angesprochen. Dieser hat uns zu unserem Glück zum Verständnis von Gerrit erklärt, dass wir ihm folgen sollten. Also Taten wir jenes für ein kleines Stückchen bis ins nächste Dorf namens Zimella. Dort angekommen hat der verehrte Herr erstmal, da er offensichtlich selber kein Handy mit sich führte, eine andere Dame nach ihrem Handy gefragt. Nach einem kurzem Telefonat war alles geklärt. Wir konnten gegenüber der örtlichen Kirche neben der Straße auf einem Grünstreifen übernachten. Mit wem er telefoniert hat? Wir konnten es nur erahnen... Also schnell unsere Zelte aufgebaut und den Kocher angeschmissen. Während wir verzweifelt versucht haben zum ersten mal Falafel zu braten, kam der örtliche Priester gefolgt von ein paar Jugendlichen auf uns zu. Er lud uns nett auf gebrochenen Englisch zum Abendessen ein. Da unser Essen noch lange nicht fertig war und das mit den Falafeln eh nicht so wirklich klappte, nahmen wir danken an. In einer Art Gemeindehaus war im Erdgeschoß schon eine große Tafel für ca 40Personen gedeckt. Doch bevor es ans Essen ging, sind wir mit dem netten Priester in einen Raum gegenagen, wo sich schon ca 40 Jugendliche versammelt hatten. Unserem Verstand nach wurde von einem Jugendlichen eine Bibelstelle vorgelesen, worauf 30Minuten eine heiße Diskussio der ansässigen Jugendlichen folgte. Anschließend konnten wir uns nocheinmal vorstellen und ein paar Fragen beantworten, bevor es dann zum Essen überging. Es gab einfache Schnittchen, natürlich Schneeweissbrot, zur Vorspeise und eine einfache Pasta zum Hauptgang. Mit dem Verzehr des selbstgebackenem Kuchens waren wir dann vollends gefüllt. Es war auf jedenfall für uns ein schönes Erlebnis mal wieder Kontakt zu gleichaltrigen zu haben. Und mit den vorhandenen Englischkenntnissen kam so manch amüsanter Dialog zustande. Wir bekamen sogar noch Apfelstrudel und zwölf Pullen Eistee für den nächsten Morgen geschenkt, inklusive den übrig gebliebenen Nudel. Zuzüglich war die Toilette am Gemeindehaus die ganze Nacht geöffnet. Für uns war dieses Erlebnis ein ganz besonderes unvergessliches Beispiel von Gastfreundschaft.

19.- 21. Oktober

Verona

2664km gefahren


Verona, 0km


Nachdem Thomas und Marian auch am Freitag Abend mit dem Wohnmobil und Marians Eltern in Verona angekommen sind, kam es zum ersten Wiedersehen der Chaoten, nach einem Tag. Nachdem, die vorher angetroffenen Antonius und Gerrit schon einen Tag mit ihren angereisten Herzensdamen Maike und Marlene verbracht hatten. Daraufhin erstmal eine Pizza gegessen und den Abend entspannt auf dem Piazza Erbe mit gutem Wein und netten Menschen ausklingen gelassen. Am nächsten Tag war dann ein bisschen Familien-, Freundinnenzeit angesagt. Außerdem erfuhren wir, dass uns am Sonntag neben Thomas Onkel Theo, auch noch seine Eltern besuchen würden. Sonntag war dann der Tag der Verabschiedung. Marians Eltern machten sich am Vormittag auf den Weg nach Venedig, weshalb die kostenlose Schlafgelegenheit Wohnmobil, für Thomas und Marian weg fiel. Da Gerrit und Antonius auch ihre Zimmer verlassen mussten ging es dann erstmal in ein kleines Hostelzimmer. Am Abend wurden dann Marlene und Maike zum Bus gebracht und wir daraufhin von Theo in ein tolles Restaurant eingeladen, in dem wir mit ihm und Thomas Eltern ein sehr leckeres Abendmahl genossen. Die Zeit in Verona war sehr schön, allerdings auch sehr kurz....

18. Oktober 2018

Villafranca di Verona

2664km gefahren


San Nazarro- Villafranca di Verona, 108km


Am heutigen Morgen war Gerrit einer der ersten der auf den Beinen war. Ungewöhnlich aber das lag wohl an der Aufregung. Der Plan heute: Gerrit trennt sich kurzzeitig von der Gruppe und macht sich auf den Weg nach Verona, um seine Freundin wiederzusehen, die dort am nächsten Morgen mit dem Bus ankommen würde. Für dem Rest der Bande geht es zum Gardasee zu Marians Eltern, die dort mit dem Wohnmobil warten. An diesem Wochenende heißt es für uns alle nach den harten und langweiligen ersten Tagen in Italien ein wenig Pause und Treffen mit Familie und Freudinnen. Denn auch Antonius Freundin hat sich spontan überlegt aus dem Studentenalltag zu entfliehen, um den Bus nach Verona zu nehmen. So spontan dass Gerrit der sich nach 10km verabschiedet hatte bereits nach 2 Minuten angerufen wurde und gebeten wurde zu warten. Planänderung. Wir teilen uns also doch in Zweierteams. Hier also der Eintrag für Team 2 bestehend aus Antonius und Gerrit auf dem Weg nach Verona, wo am Freitag morgen dann die beiden M's, Maike und Marlene ankommen würden. Wieder keine schöne Etappe. Landschaftlich wieder das selbe: Kilometerlange gerade und schlecht asphaltierte Straßen, viel Landwirtschaft und ein leicht nebliges Wetter. Immerhin war es warm. Aber Ende waren wir rundum zufrieden, obwohl es nicht besonders optimal angefangen hatte. Wir merkten schon nach den ersten 100m welchen Luxus ein Fahrradnavi mit sich bringt. Mit dem Handy in der Hand trennten wir uns an der flaschen Stelle von den anderen beiden merkten nach ein paar Metern, dass wir uns zu früh getrennt hatten. Also zurück, den anderen hinterher. Eingeholt haben wir sie aber nicht mehr. Das Handy leitet uns zunächst auf eine Autobahn, dann als wir von Auto- auf Fußgängerroute umsteigen, da das Handy keine für Fahrräder geeignete Route nach Verona finden konnte, schickt uns die elektronische Stimme auf einem schmalen Gehweg an der linken Fahrbahnseite in eine Einbahnstraße. Also erstmal 3km gegen den Verkehr begleitet von Hupen und bösen Blicken. Schon angenervt vom Beginn der Etappe suchten wir aber nicht nach einer Alternative sonder gingen mit dem Kopf durch die Wand. Schließlich war es auch schon spät genug, nachdem die telefonische Absprache mit Maike am Morgen etwas länger gedauert hatte. Aber dann hatten wir einer dieser ewig langen Straßen erreicht und von dort an hieß es dann Tempo, Tempo und nochmal Tempo. Noch ein bisschen verärgert von den ersten Kilometern wurden erstmal Gerrits Aggression an den Pedalen ausgelassen und Antonius im Windschatten hinterher. Dann aber immer im Wechsel mit immer besserer Laune. Von vielen unterschiedlichen Ereignissen können wir leider nicht berichten. Es machte uns einfach Spaß ein bisschen Zeitfahren zu betreiben. Als wir um 16:30 Uhr nach 3,5h bereits 85km auf dem Tacho hatten machten wir die erste Pause. Wir suchten gar nicht erst lange nach einem schönen Plätzchen, sondern lebten heute vom Einkaufswagen in den Mund. Danach blieb uns dann auch nicht mehr so viel Zeit. Es wird halt immer früher dunkel. Also wieder rauf auf die Fahrräder mit einem Abendbrot und einem für das Frühstück im Gepäck. Wir knackten die magische Grenze und machten noch ein paar Zerquetschte, damit wir am morgigen Tag nicht noch viele Kilometer machen mussten. 20km entfernt von unserem Ziel dem Busparkplatz in Verona fragten wir an einem Bauernhaus. Erster Versuch ein Treffer. Wir schlugen unsere Zelte neben einem Zwinger mit einem riesigen Bernhardiner auf und genossen das kalte Dosenbier, das uns der Bauer noch gebracht hatte. Wir halten fest: eine sehr gelungene Etappe. Dann ging es ins Bett mit einer Vorfreude, wie man sie nur vor Weihnachten als kleines Kind hatte.


18. Oktober 2018

Gardasee



San Nazarro-Gardasee, 50km


Ging dann doch leichter als gedacht. Liegt vermutlich daran, dass man weiß, dass man die anderen beiden am nächsten Tag schon wieder sieht und man sich für die beiden auch freut. Die ersten Kilometer liegen heute auch locker zu zweit runter. Nach dem langen liebevollen Abschied für einen Tag wurden Thomas und Marian, wie sich später herausstellte, auch die anderen beiden, erstmal ordentlich auf einer schönen Brücke, direkt an einem Birkenfeld vorbei, durchgerüttelt. Danach ging es weiter auf ewig langen Landstraße in Richtung Iseo See. Mit Gegenwind ließ es sich an diesem schönen diesigen aber auch sonnigen Tag sehr gut fahren. Da fühlten sich die ersten 40km eine Trainingseinheit. In der Mittagspause kam es dann zur Planänderung. Marians Eltern wollten die beiden in der nächst gelegenen Stadt mit dem Wohnmobil abholen und doch zum Garda See fahren, um die letzten Sonnenstunden an diesem Tag noch zu nutzen. Wehmütig, da das Radfahren an diesem Tag so viel Spaß machte, stimmten Thomas und Marian zu. Eine Dreiviertelstunde später kam es dann zum Aufeinandertreffen, der beiden Parteien. In Manerbio wurden dann erstmal vier leckere Latte-Machiatos getrunken und der Dom angeguckt. Anschließend ging es mit dem Wohnmobil weiter zum Garda See, nach( Deseco de Garda). Dort mit dem Wohnmobil auf einen Stellplatz, und schnell zum See, bevor es dämmert. Schnell alle einmal reingesprungen, zurück zu Stellplatz und erstmal die ganzen dreckigen Sachen gewaschen. Danach noch den Abend mit ein paar kühlen Bier, Shrimps, Kartoffeln und Dipps ausklingen lassen, noch einmal kurz den See besucht und ab ins Doppelbett, weil die letzten Tage doch recht anstrengend waren. Nacht.

14.-17. Oktober

San Nazzaro 

2556km

 

Borgo san Dalmazzo - Roatto - Oviglio - Voghera - San Nazzaro, 294km

 

Voller Tatendrang das Zelt aufgerissen, doch dann kam die Enttäuschung. Nebel und die Wettervorhersage verhieß keine Besserung.

Also war klar, dass wir den zweiten Pass nicht erklimmen würden, sondern schon heute uns in die Po-Ebene begeben.

Beim zusammenpacken hielt dann erst das Frühstück auf, dann der kurze Regenschauer und dann auch noch die Überlegung, wohin? Als Ziel stand Asti oder Turin zur Verfügung. In beiden Städten gab es eine "Warmshower", die zugesagt hatte. Warum auch immer, haben wir es auf Asti bzw. Roatto ein kleiner Ort davor geeinigt.

Wurde auch Zeit. Die Zeiger bewegten sich schon gen 14:00 Uhr und die Strecke von 100km war noch nicht ansatzweise angefressen.

Mit Speed ging es los. Das trübe Wetter ließ uns nicht gerade verweilen, weswegen wir schnell Cuneo erreichten, einmal durch die Fußgängerzone rollen (wenigstens bisschen Sightseeing), Geschäfte erledigen... Weiter geht's.

Landschaftlich erinnerte es uns an unser Münsterland. Maisfelder, Güllegeruch und der Blick auf einen geraden und weiten Horizont.

Diese Anfangeuphorie wurde dann im Laufe des Tages immer weiter zerstört.

Hauptsächlich Landstraßen mit grooooooße Löchern und immer nur graues Wetter, graue verschlossene Häuser und keine Menschen auf der Straße. Abgesehen der vielen Autos die zu nah und schnell an uns vorbei rasten. 

Nur ein Vorteil hat dieses Platte Land schon. 

Schnelles vorankommen. Das war auch Ziel dieser Etappe. 

Ohne große oder pessimistisch ausgedrückt, ohne irgendeine Sensation, kamen wir bei Matti gegen 20 Uhr an. 

Dort war:

Dusche wunderbar, 

Pasta gemacht vom Italiener perfekt, 

treffen mit dem ebenfalls dort untergekommenen @broke.bike.mountain aka. Louis ein interessanter Austausch und Schlafen eine erholsame Angelegenheit. 

Der nächste Tag sollte etwas entspannter verlebt werden, ohne 100km. Gestartet sind wir trotzdem früh, denn wenn dein Gastgeber arbeiten muss, heißt es raus. 

Deswegen "schon" um 10:00 Uhr mit gepacktem Fahrrad auf der Straße. 

Die erste Überlegung war uns in Richtung Milano zu begeben, allerdings hatten wir Respekt vor dem Verkehr vor Ort und haben festgestellt, dass große Städte durch die wir nur einmal durchrollen, eher anstrengend und stressig sind, als das sie unsere Reise bereichern. 

Also erstmal die 15km nach Asti rein und dort in der Innenstadt am Brunnen sitzen, frühstücken und die Passanten beobachten. 

Gegen 13:00 Uhr zurück aufs Radl mit Ziel Gardasee ca. 260km entfernt. Die Strecke wollten wir in 3 Tagen schaffen, denn auch heute war es wieder so finster und bedrückend grau, als würde uns der Himmel auf den Kopf fallen. 

Zum Glück blieben wir aber trocken und wir konnten gegen 18:00 Uhr einen geeigneten Schlafplatz finden. Ein Italiener hat uns mit Mund, Händen und Füßen zu verstehen gegeben, dass die Wiese vor dem Sportplatz Oviglios wohl geeignet ist zum Campen. 

Nach Nudeln mit Tomatensauce und Thunfisch ging also wieder, ohne große Sensation oder pessimistisch gesagt ohne irgendeine Sensation, der Tag zuende. 

Dienstag, neuer Tag neues Glück. 

Mit sehr schweren Beinen sind wir aufgestanden. Wir haben schon vermutet, dass unsere heutige Campingwiese eine gewisse Anziehungskraft auf uns ausübt. 

Denn nach dem alles zusammen gepackt war und wir uns aufraffen konnten die Wiese zu verlassen lief es doch ganz ok. 

Unser Versuch in schönere Gegend zu kommen in Richtung Po, endete nur in einer extrarunde Richtung Norden. Denn auch hier waren extrem viele zerfallen Häuser und Höfe, fast ausgestorbene Dörfer und sonst nur Felder. 

Das Wetter war übrigens immer noch grau und diesig. 

Ziel war immer noch der Gardasee und die Straßen waren immer noch stark befahrene, zerlöchte Landstraßen. Vielleicht hat sich die Lkw Rate noch ein bisschen zum Vortag erhöht, aber sonst nix neues. 

Um die Stimmung allerdings hoch zu halten, kauften wir uns Schokolade und für den Abend Tetrapackwein. 

Direkt nach 70km haben wir, beim ersten mal Fragen die Erlaubnis zum Zelte aufschlagen bekommen. 

Perfekt auf unserem Weg, sodass es am nächsten Tag direkt zurück auf die Straße gehen kann. 

160 Km liegen noch vor uns. Also wieder früh aufstehen, zusammenpacken, mal wieder einen Regenschauer abwarten und los. 

Der Plan war bis zur Pause 50km runterzuradeln und danach nochmal 50kmm.

Trotz des strickten Zeitplanes war jedoch schon nach 7km erster halt angesagt. 

Ein Decathlon hat sich in unser Blickfeld geschoben und da schon seit Nizza dieser Laden besucht werden sollte, zögerten wir nicht lange. Den Windschutz für den Campingkocher und eine Ersatzzeltstange gab es natürlich nicht. Also nur Satteldecken, Kettenschlösser, Kopflampe und ein Thermoshirt für Antonius gekauft. 

Uuund weiter fahren. Bis 16:30 Uhr. Dann einen Park gesucht, feuchte Zelte vom Morgentau zum trockenen ausgebreitet, gegessen, trockene Zelte wieder eingepackt und weiter gefahren. 

Die vorgenommenen 100km schafften wir zwar heute zeitlich nicht mehr, allerdings haben wir nach 90km einen Platz direkt am Po gefunden, bzw. ein von uns angehaltenes Auto + Fahrerin ist für uns bis dort hin vorgefahren. 

Luxuriös mit Parkbank, -tisch und einem Wasserhahn verbrachten wir einen netten Abend.

13. Oktober

Beguda

2262km gefahren 


Colle de Tende-Beguda, 48km


Auf 1.500m lässt es sich wunderbar schlafen. Wenn der von Thomas aufgewärmt tee und ein leckeres Baguette auf einen wartet lohnt es sich auch mal um 10:00 Uhr aufzustehen. Dabei noch die Sonne und die Aussicht runter vom Berg, einfach perfekt. Da fühlen sich ein paar Stunden echt kurz an. Wir mussten allerdings noch ca. 370 Höhenmeter bis zu Bergspitze, weshalb wir mit gepackten Sachen dem finalen Stück entgegentraten. Angetrieben von der schönen Aussicht ging es die ersten Meter auf schlecht asphaltierter Straße los. Diese verwandelte sich dann aber schnell in einen schotterweg. Klickpedale und schotterweg, ob das eine so gute Idee ist? Antonius hätte es besser nicht ausprobieren sollen. Nach einigen gefahrenen Metern kam dieser nämlich ins straucheln und legte eine astreine Landung auf dem schotterweg hin. Nichts dermaßen schlimmes, deswegen wieder aufstehen, Helm richten und die letzten Meter den Berg hinauf. Wo Marian, der sich das bergtrikot heute schnappte und die anderen beiden auf ihn warteten. Als alle schließlich oben angekommen waren, genossen wir noch die Aussicht auf 1.800m und rollten die ersten paar Meter in Richtung Tal zu einer Almhütte. Dort tranken wir alle einen leckeren Cappuccino und lernten George kennen, ein Mann aus Schottland, der rund um cuneo schon überall in Piemont unterwegs war und uns empfohlen hat einen weiteren Berg mit 2300m mitzunehmen bevor wir nach Turin weiterfahren . Die Aussicht sollte noch schöner sein als vom heutigen Colle de Tende. Wir waren begeistert von dieser Idee, da uns die heutige Etappe bis dort hin so gefallen hat. Erstmal mussten wir dann aber vom Berg runter. Gute 25km runter ohne zu trampeln, auch nicht schlecht. So ging es dann weiter, bis nach Borgo San Dalmazzo, wo wir einkaufen gingen und unsere Brotzeit verrichteten, da es schon 5 Uhr war und wir den ganzen Tag so gut wie nichts gegessen hatten. Weil uns drei verschiedene Wetterapps keine genauen Angaben machen konnten, ob es morgen regnen soll oder nicht, einigten wir uns darauf, erstmal in Richtung Berg zu fahren, dort zu übernachten und am morgigen Tag die Lage abzuchecken. Die Suche nach einem Schlafplatz in ungewohntem italienischem Terrain ging los. Die ersten paar Sätze zurechtgelegt, ging es auf die Leute los. Erstmal nichts verstanden und vermutlich absagen kassiert. Der dritte Herr, den wir gefragt haben, konnte zwar auch nur italienisch, beschrieb uns allerdings den Weg zu einem geeigneten Platz. Dieser Beschreibung gefolgt, fanden wir diesen Platz auch, dort erwartete uns aber ein Campen-Verboten-Schild. Wir fragten noch zwei andere Personen, ob es ein Problem wäre dort zu campen, diese verneinten dies, weshalb wir anfingen unser Camp aufzuschlagen. Auf einmal kam ein Auto auf uns zu und hielt an. Dort saß der Mann drin, der uns die Wegbeschreibung gab. Er wollte nur nochmal gucken, ob wir den Platz gefunden haben. Sehr nett. Nur liegen wir hier neben dem Campen-Verboten-Schild und hoffen, dass wir eine ruhige Nacht haben werden.

12. Oktober 2018
Colle de Tenda
2214km

Olivetta - Colle de Tenda, 47km
Unsere erste Nacht für die wir Geld bezahlt haben war jetzt nicht besonders anders.
Nur die Toilette war natürlich ein großer Luxus am Morgen.
Da wir nichts außer eine Tafel Schokolade zum Frühstück hatten, hieß es zusammenpacken und los bis zum nächsten Ort um dort Einkaufen zu gehen.
Die ersten Kilometer waren uns bekannt, da wir um zum Campingplatz zu kommen eine Abzweigung nehmen mussten. Also zurück zur SS20.
Eigentlich hatten wir geplant einen am Vortag schon gesehenen Bäcker anzupeilen, jedoch hat Marian einen Spar entdeckt der direkt auf unserer Route zum Pass Colle de Tende lag.
Das dieser nur bis 12:00 Uhr geöffnet hat und erst wieder um 16:00Uhr öffnet, fiel uns natürlich auch erst um 11:30Uhr auf.
Aber kein Stress, sind nur 5km den Berg hoch...
Pünktlich im Ort Brei sur Roya angekommen gings ans Einkaufen. Es gab das vermutlich letzte Baguette da wir wieder für 40km auf französischem Lande unterwegs waren.
An der Kasse fand zu dieser Zeit anscheinend auch gerade Dorfversammlung an, denn so ein Kkatsch und Tratsch erlebt man selten in Einkaufsläden.
Anonym lebt man hier also nicht. Hier kennt jeder jeden.
Nach Einkauf und Mittagspause ging es dann weiter. Schön gemächlich, weil die nächsten 40km gewiss weiterhin bergauf gehen.
Bis wir den Tunnel auf ca. 1200hm erreicht haben. Wir wussten zwar dass der Tunnel nur einspurig ist und alle 20min die Gegenrichtung dran ist, aber dass der Tunnel mit dem Fahrrad nicht passierbar bzw. es nicht erlaubt ist, wussten wir nicht.
Da blieb uns nichts anderes übrig als den Pass zu fahren und nicht die Abkürzung durch den Tunnel. 
Nach einer weiteren Pause machten wir uns gegen 17:00 Uhr an den Aufstieg. 47 Serpentinen sollen uns bis zum Gipfel führen.
Mit dem rasenden Tempo von 5kmh kletterten wir empor und je höher wir kamen desto besser ließ sich ein wunderbarer Blick in das Tal aus welchem wir kamen erhaschen.
Schaffen würden wir den Gipfel nicht mehr weshalb wir anfingen einen her Schlafplatz zu finden.
Problem war nicht ein von fremden Blicken verstecktes Lager, denn Menschen verirren sich vermutlich eher selten auf einen Pass um zu kontrollieren, dass niemand wildcampt. Es war der Hang, der uns zu schaffen machte, denn stehen die Zelte seitlich schief, hat Antonius ein Hang zu Marian und Thomas ein Hang zu Gerrit.
Den ersten geeigneten Platz entdeckten wir neben einer Ruine.
Nur noch den Hering-rein-dübel-test durchgeführt und der Platz war zugelassen.
Nur entdeckte Gerrit ein Problem:,, Hier ist ja voll blöd, wir können ja gar nicht die Aussicht genießen."
Drei weitere Clubmitglieder bejahten und starrten auf die Wand der Ruine. Hätten die Erbauer ruhig mal an uns denken können. 
So wieder die Heringe und den Hammer eingepackt und die nächsten Serpentinen erklommen. 
Eins war gewiss, auf dem Gipfel sollte spätestens ein ebener Platz zu finden sein. 
Aber nicht weit vom ersten Spot, ca. 100hm höher, war schon der optimale Platz gefunden. Eine Kurve der Serpentine war schön groß ausgebaut und geebnet. Die Aussicht war fantastisch! Vermutlich der bis jetzt schönste Schlafplatz der Tour... 
Nach Pasta mit Pesto ging es dann ab ins Zelt. Bisschen Musik hören, telefonieren, Berichte schreiben,... Schlafen. 
So wurde es ruhiger im Lager, je weiter die Nacht über uns herein zog. Allein das Rauschen der Bäume war zu hören und leises Motorgeräusch drang vom tief unter uns gelegenen Tale herauf.
11. Oktober 2018
Olivetta
2167km gefahren

Menton-Olivetta, 35km

Der Handwerker-Freund von Sarah und Guillaume schaffte es nicht uns am Ausschlafen zu hindern. Es war einfach zu gemütlich auf unseren Matratzen im baumhausähnlichen Obergeschoss. Um 10 Uhr frühstückten wir gemeinsam im Wohnzimmer, da die Küche ja besetzt war. Wir wollten die weitere Route planen mit der zentralen Frage: Küste oder Berge? Über die Alpen in die Po-Ebene oder an der Küste entlang in Richtung Genua? Auf der einen Seite lockte die wunderschönen Berge, wie wir sie bei Sebastien schon lieben gelernt hatten und auf der anderen Seite eine flache und einfache Strecke. Aber da wir ja nicht losgefahren sind um Kilometer zu machen sondern um die schönen Orte dieser Welt zu entdecken war die Entscheidung auf den Weg über den Alpenpass Colle de Tende gefallen, über den auch der Radweg EuroVelo 8 führt. Mit der Hoffnung auf einen ausgeschilderten Weg zu stoßen, machten wir uns auf den Weg in Richtung Ventimiglia . Von dort aus sollte der Pass dann beginnen. Aber irgendwie war die Stimmung an diesem Morgen bedrückt. Alle waren etwas angenervt, keiner hatte mehr Lust auf nichts. Warum das wussten wir selber nicht mehr ganz als wir abends zusammensaßen. Vielleicht einfach der bedeckte Himmel. Wer weiß. Da Gerrits Kette am Tag vorher gerissen war und wir uns nicht sicher waren ob diese den Alpenpass überstehen würde, mussten wir noch vorher ein Kettenschloss besorgen, so dass wir im Fall der Fälle nicht komplett aufgeschmissen sein würden. Aber in Italien war natürlich erstmal Siesta. Um 15:30 Uhr sollte der Fahrradladen wieder öffnen. Also haben wir uns erstmal etwas für die Mittagspause gekauft und gewartet. Als dann das Kettenschloss und ein bisschen Ledercreme für unsere Sättel besorgt waren, ging es in die Berge. Zunächst auf einer autobahnähnlich ausgebauten Straße, die dann immer schmaler und schmaler wurde. Bis wir zum ersten Tunnel kamen. Unser Portal ins Glück, wie sich später herausstellte. Schon vorher war die Stimmung besser als zuvor an der Küste. Und die Landschaft wurde schöner. Zwar immernoch kein perfektes Wetter aber das sollte sich am nächsten Tag ändern. Nach einigen Höhenmetern Anstieg fragten wir auch schon nach einem Schlafplatz, denn der Winter kommt und die Tage werden kürzer. Bis in die Berge hier reicht der Tourismus nicht und dir Orte wurden immer kleiner und oft heruntergekommen. An den Hängen jede Menge Ruinen. Wir vermuten alte Bauernhäuser. In einem dieser Dörfer oder besser gesagt Häuseransammlungen mit vier oder 5 Gebäuden, fragten wir dann in einer Bar. Wir wurden auf den Campingplatz verwiesen der circa 4km entfernt oben am Hang lag, nur 500m von der französischen Grenze bei Olivietta. Obwohl wir noch nicht viele Kilometer gefahren waren, waren wir alle ziemlich erschöpft und waren bereit zum ersten Mal auf der Tour den Preis von 10 Euro für den Campingplatz inklusive Dusche in einem umgebauten Wohnwagen zu investieren. Am nächsten Tag wollten wir dann den weiteren Aufstieg bis zum Colle de Tende wagen. Der wie wir dann am Abend herausfanden einer der höchsten Pässe der Alpen ist.