06. Januar 2018
Hoseynabad-e Misch Mast
5231km gefahren
Qom-Hoseynabad-e Misch Mast, 45km
Die erste Nacht auf einem echten persischen Teppich, war gemütlicher als Gedacht und so sind wir erst aufgestanden als Hamid mit Brot und Käse vom einkaufen wieder kam. Also haben wir schnell die Decken zusammen gepackt, denn 5 min später lag dort schon die Schalah gedeckt mit Brot, Käse, Datteln, Eiern und warmer Milch. Wenig später stand Said auch schon mit unseren Sachen auf dem Teppich und somit war das Verständigungsproblem gelöst. Wir wollten heute unbedingt weiter fahren und mussten deswegen die Einladung zum Lunch ablehnen. Jedoch bot uns Said an noch vorher gemeinsam zum Holy Shrine zu fahren. Es ist die zweitwichtigste Pilgerstätte im Iran und deswegen ein riesen Prunkbau mit goldener Kuppel. Said war zwar zum ersten Mal dort, allerdings lief er Zielsicher durch die Sicherheitsschleuse. Wir wären vermutlich nicht weiter gegangen, mit seiner Begleitung folgten wir ihm einfach. 
Wir konnten auch ein paar nette Fotos schießen, bevor die Touristen Aktion vorbei war. Ein Sicherheitsmann redete irgendwas auf Farsi und deutete Richtung Ausgang. Wir sollten wieder gehen. Merkwürdigerweise entschuldigte er sich sehr höflich bei uns vier. Said meinte er wolle nur zeigen, dass er der Boss ist.
Mit deutscher Rapmusik im Auto rollten wir nach diesem sehr kurzen Aufenthalt vom Parkplatz und vermutlich aus purer Provokation ließ Hamid noch die Fensterscheibe runter und drehte die Musik komplett auf. Zurück bei Hamid, zogen wir unsere Radsachen an, sattelten die Taschen auf und letztendlich auch uns. Die Verabschiedung wurde noch aufgeschoben, denn als sei alles nicht schon genug, wollten sie noch bis zur Autobahn mit dem Auto vorfahren. 3km weiter, die Verabschiedung, Nummern tausch und ab auf die Räder. Eigentlich wollten wir lieber über die Old National Road fahren, da wir noch einkaufen mussten, aber unsere Gastgeber haben uns dieses quasi Verboten, da zu gefährlich. Deswegen sind wir die nächste Ausfahrt von der Autobahn wieder runter und sind ca. 10km durch den Qomer Stadtrand gefahren. Keine schöne Strecke, da sehr staubig, dreckig und auch eher Industriegebiet (natürlich Iran style, also keine großen weißen Hallen, sondern kleine Garagen und Hinterhöfe wo gebaut und gebastelt wird) statt Wohngegend. Auf dem Weg zum anvisierten Supermarkt, sahen wir dann unsere ersten freilaufenden Kamelus dromedaruse. Nach der Selfie Aktion, gingen wir Brot und Käse kaufen und verdrücken den ersten Teil direkt.
30km hinter Qom hatten wir auf Google Maps einen geeigneten Platz zum Campen vorgespotet. Hinter ein paar Hügeln konnten wir ungesehen campen. Wir erreichten diesen Ort noch bei Tageslicht und konnten noch im hellen die Zelte aufbauen und unser Essen zubereiten. Am Ende des Tages krochen wir müde in die Zelte.
5. Januar 2019
Qom
5186km gefahren
Baqak -Qom, 48km
Die erste Nacht wildcampen im Iran hatten wir prima überstanden. Nur eine Frage blieb unbeantwortet... Wer hat das Brot gestohlen? Unser restliches Brot lag im Vorzelt auf den Taschen, doch am nächsten Morgen war nur noch die Tüte 30 Meter entfernt von unseren Zelten zu finden. So hatten wir also nur etwas Obst zum Frühstück und etwas angehungert sind wir mit Sonne gestartet. Ein ordentliches Stück bergab am Anfang und Staunen über die iranische Landschaft. So konnten wir die ersten 20 Kilometer entspannt genießen, bis wir an einem sehr neuen Rastplatz einen kleinen Snack gekauft haben haben und weiter ging es Richtung Qom. Am Nachmittag haben wir ca. 25 Kilometer vor Qom einen Supermarkt an der Autobahn gefunden, wo wir das nötigste einkaufen konnten. Dort auf dem Parkplatz haben wir den lieben Bernahm getroffen, der unter anderem bei warmshowers angemeldet ist und uns zu sich nach Isfahan eingeladen hat. Da Isfahan auch auf unserem weg liegt, natürlich optimal. Ungefähr 20 Kilometer vor Qom kam dann eine ganz unerwartete Begegnung... An einem kleinen Laden am Straßenrand hatte sich schon eine Menschentraube um uns gebildet und hinzu kam ein Mann, der aus einem typischen blauen Pickup stieg. Zu unserem Erstaunen konnte der nette Herr sehr gut Englisch sprechen und lud uns daraufhin zu seinem Hof ein, der fünf Kilometer entfernt war. Mit unseren Fahrrädern auf einem anderen Pickup ging es los. Bei ihm am Hof angekommen hat uns Said dann erklärt, dass er nur nebenberuflich einen Bauernhof hat und eigentlich Polizist ist. Zu unserem verwundern aßen wir auch nicht dort zu Abend, sondern zum Dinner ging es mit ihm nach Qom rein. Was man bei der Fahrt zum erstenmal bestätigt bekommen hat war, dass Iraner es warm mögen. Gemütliche 32 Grad in seinem Auto waren für unseren Geschmack etwas zu viel. Der Abend sollte statt eines einfachen Dinners, ein richtiger Marathon. Die erste Station war ein Milchshake store, wo wir anscheinend den Braten Mickshake Qoms getrunken haben. Eben noch in das Fitnessstudio von Said gehuscht und weiter ging es mit einem Freund von ihm zu einem Restaurant. Sobald der letzte Bissen auf war, ging es auf der Stelle weiter zu einem anderen Freund. Eine Stunde waren wir vielleicht dort, bis es weiter ging zu einer Eisdiele. Mittlerweile war es vielleicht halb zwölf und wieder zu unserem verwundern ging es statt zu Saids Hof, zu Hamids Haus in Qom, der mit uns den Abend unterwegs war. Also war uns etwas mulmig im Bauch, da wir ausser uns und dem was wir am hatten, nichts dabei hatten und unsere ganzes Zeugs war bei Saids Hof. In dem Wohnzimmer von Hamids Familie sollten wir auf Decken schlafen und es uns gut gehen lassen. Naja, so wirklich was zu sagen hatten wir nicht und so kamen wir das erste mal mit einem krassen Beispiel iransicher Gastfreundschaft in Kontakt.

4. Januar 2019

Bāqak

5138km gefahren

 

Ali Abad-Bāqak, 48km

Die Gastfreundschaft im Iran ist unbegreiflich. Vergleichbar mit keinem anderen Land, durch das wir bis jetzt gefahren sind. 

Nachdem wir schon zwei Nächte im Container des Steinbruchs verbracht hatten, bekamen wir von Ibrahim an diesem Morgen ein weiteres Mal Frühstück und Cay, bevor wir uns verabschiedeten und losfuhren. 

Mit starkem Seitenwind ging es schleppend voran. 

An diesem Tag fuhren wir zum ersten Mal durch die iranische Landschaft. Rote Steinwüste, hügliges Relief links und rechts von uns und am Horizont die mit Schnee bedeckten Berge.

Außerdem wurden wir von Autofahrern begleitet, die uns zuwinkten und zuhupten. Nach ein paar Kilometern hielt ein Auto vor uns an, und fragte uns nach einem Foto. Das alles nur, weil wir anders Aussehen, faszinierend. Ein paar Kilometer weiter, nach einem Hügelanstieg, wartete ein weiteres Auto auf uns. Die Familie, der das Auto gehörte, schenkte uns einen Haufen Orangen, lächelte uns an und fuhr weiter.

Den Abend verbrachten wir dann mit der Aussicht auf einen Salzsee und auf einen wunderschönen Sonnenuntergang, abseits der alten Nationalstraße auf einem Hügel.

2.- 3. Januar 2019

Aliabad, Teheran

5090km gefahren

 

Teheran - Aliabad, Teheran, 45km

Nachdem wir am Vortag schon gepackt, eingekauft und Geld gewechselt haben, waren wir heute nicht mehr zu halten nun endlich loszufahren. Wir standen auch schon um 12:30 Uhr bereit auf der Straße, als uns auffiel, dass wir auf dem Fahrradnavi keine Irankarte gespeichert hatten... Also nochmal im Hostel WLAN schnorren. Das runterladen der Karten zog sich natürlich durch unbedingt in diesem Moment erforderliche Updates in die Länge. Gegen 13:30Uhr verließen wir das Hostel entgültig, zwar ohne Irankarte, jedoch konnte Marian uns mit seinem Navi auf dem Handy aus Teheran rauslotsen. Der Verkehr ist der Wahnsinn und ohne Systeme. Jedoch kann man gut mitfahren, denn der Verkehr ist sehr langsam. Zusammen mit hunderten von Motorrädern haben wir uns durch die Straßen geschoben. Wir legten die erste kurze Pause ein, als wir an der Straßenecke einen Kochershop entdeckten. Ein letzter Versuch Ersatz für unser Kocherteil zu bekommen. Ohne Erfolg, allerdings lernten wir wieder nette Iraner kennen, die uns ganz stolz Fotos aus ihrem Deutschlandbesuch im letzten Jahr zeigten. Zurück auf dem Radl ging es weiter hinaus Richtung Flughafen. Die Straßen Teherans sind meist 3-4 spurige Einbahnstraßen, jedoch kommen einem trotzdem Mofas entgegen, sogar in Kreisverkehren. In einem sind wir dann auf die Autobahn abgebogen. Nun waren wir auf der Sieben, der Straße des Tages. 30km auf dem Seitenstreifen entlang. Je weiter wir raus kamen, desto kälter wurde es. Leider wurde die Luft nicht wirklich besser. Ein Müllkraftwerk oder so, stand genau im Wind und über 10km wurde uns ein beißender Gestank in die Nase geweht. Grauer Himmel, laute und volle Autobahn und stinkiges Kraftwerk? Eigentlich war uns ein anderes Iranbild im Kopf... Nun gut. 10km vor dem Flughafen fuhren wir von der Straße, um uns ein Zeltplatz zu suchen. Im Iran eine Herausforderung, denn vor Blicken schützende Bäume gibt es nur vereinzelt. Als wir ein Plätzchen gefunden hatten, fragten wir einen vorbeikommenden Autofahrer ob es okay sei dort zu campen. Dieser sagte zwar:,,It's not good". Doch wir wollten nicht mehr weiter fahren, weshalb wir uns entschieden trotzdem in einer Lehmhütte vom Tarp geschützt zu schlafen. Während wir Nudeln kochten, kam noch jemand schauen und meinte per Handzeichen es ist okay, doch fressen uns die Hunde. Doch auch dass hielt uns nicht davon ab, denn es gab kaum Hunde (gelten im Islam als Unrein und dürfen deswegen nicht gehalten werden) und wenn kannten wir die Kollegen bestens aus Griechenland. Gegen 20 Uhr hatten wir gerade Zähne geputzt und alle Matten aufgepustet, als uns die ganze Zeit eine Taschenlampe anleuchtete. Davon genervt wollten wir uns gerne Vorstellen und sind Salam sagen gegangen. So lernten wir Ibrahim und Achmet kennen. Die beiden waren in ihrer Darstellung der Dramatik was passiert wenn wir dort schlafen noch krasser und deuteten Kopfabbewegungen an... Im gleichen Atemzug jedoch zeigten/sagten sie uns wir sollen unser Zeug zusammen packen und wir können 100m weiter auf deren Kieswerk campen. Deswegen brauchten wir uns darüber nicht den Kopf zerbrechen was wir machen sollten, denn ein bisschen schiss hatten wir jetzt schon. In großer Hektik wurden die Klamotten rüber gefahren. Anstelle von Zeltplätzen wurde uns sogar ein mukkelig warmer Container zugewiesen. Klischeehaft wurde vor dem Schlafen gehen, zusammen Cay getrunken und Shisha geraucht.  Sicher, trocken und ohne zu frieren konnten wir schlafen gehen. Natürlich nicht ohne 5mal gefragt zu werden ob wir nicht noch Hunger haben.

In der Nacht fing es an zu regnen. Doch zum Glück konnten wir uns im Schlafsack umdrehen und dem tröpfeln auf dem Dach lauschen. Auch am Morgen wollten wir uns nicht vorstellen wie es wohl gewesen wäre in der von oben nicht wirklich dichten  Lehmhütte zu pennen. Wir wurden erst gegen 9 Uhr wach als Ibrahim durch die Tür lugte. Heute ist Wochenende und deswegen im Steinbruch nichts los. Es regnete immer noch. Gegen 9:30 Uhr kam Hashem, der LKW Fahrer und der Besitzer des Wohncontainers, in dem wir schliefen. Er deutete uns an ihm hinterher zu laufen. 20m weiter saßen wir nun in einem anderen Container der als Pausenraum, Küche und Büro diente und uns wurde Frühstück mit Tee serviert. Es gab dünnes Fladenbrot mit Schafskäse und einem Gemisch aus Marmelade und Honig. Das Mahl wurde klassisch auf dem Teppich sitzend eingenommen und auf einer dünne Plastiktischdecke in der Mitte lag das Brot und der Aufstrich. Mithilfe von Google Übersetzer teilte Hashem uns mit wir sollen heute bei dem schlechten Wetter hier bleiben. Das ließen wir uns nicht zweimal sagen und so konnten wir wieder auf den Matten ausbreiten. Hashem und Thomas unterhielten sich über Google Übersetzer und so erzählte Hashem er sei 26 Jahre alt, er hat einen Sohn und er möchte gerne in Deutschland studieren. Das spannendeste an diesem Tag war vermutlich das Essen. Zu Mittag gab es Ei und Tomaten gebraten und ein etwas dickeres Fladenbrot. Natürlich mit Cay. Nach dem Essen verabschiedete Hashem sich und wir beantworteten Fragen für Radio WMW, schrieben Berichte und planten unsere Route. Gegen 18:00 Uhr gab es trotzdessen, dass wir gesagt haben wir haben genug zu essen, ein Abendessen für uns. Diesmal gab es Fleischwurst mit Ei gebraten und Hot Dog Brot. Tee dazu ist natürlich klar. Danach wurde noch einmal Kohle für die Shisha erhitzt und ein Kopf DoppelApfel Tabak geraucht. Resümee des Tages: Gut, dass wir hier geblieben sind.

28. Dezember 2018 - 2. Januar 2019

Teheran 

5045km gefahren

 

Istanbul - Teheran, 0km

Nun  es richtig aufregend. Wir fliegen in den Iran. Ein bisschen hatten wir uns über die Visa Angelegenheiten informiert und haben uns letztendlich dazu entschieden, über das Visum bei der Ankunft einzureisen. Etwas übermüdet sind wir also in Teheran gegen 13 Uhr Ortszeit gelandet und sind den Schildern zur Visa Abteilung gefolgt. Dort mussten wir zunächst ein paar Angaben zu unserem Iranbesuch machen und uns ein paar Fragen stellen, bevor wir nach drei Stunden nun mit einem 30 Tage Visum in der Tasche zu unserem Gepäck durften. Wegen der einsetzenden Dämmerung und unserem weniger fitten Zustand, haben uns zwei Großraumtaxen bis vor die Haustür des Teheran Heritage Hostels gefahren. Erst am Istanbuler Flughafen haben wir jenes nur für eine Nacht gebucht, um eine erste Anlaufstelle haben. Jedoch sollte dieses Hostel unsere Unterkunft bis zum 02.01. werden. Nachdem wir am selben Abend noch ausgehungert erstmals iranisch Essen waren, sind wir erschöpft in unsere Betten gefallen. Die Tage im Heritage Hostel waren ein wunderbarer Einstieg in den Iran. Den ersten Tag haben wir zwar fast gänzlich in einem Fahrradgeschäft verbracht, wo Marian ein bisschen am seiner Schaltung rumbasteln durfte und Antonius ein neues Tretlager bekommen hat, aber die Kilometer mit dem Fahrrad durch die Stadt waren erstmal aufregend genug. Sich seinen Weg bahnen mit dem Fahrrad zwischen ungeordnetem Verkehr fühlt sich Sicherer an, als man zunächst vermuten sollte. 

Ein bisschen mehr von der Stadt haben wir am zweiten Tag gesehen, als wir mit Koohjar, einem Hostelmitarbeiter, eine kleine Führung zu ein paar Sehenswürdigkeiten gemacht haben. Am Parlament gestartet, ging es durch zwei Paläste und geendet sind wir bei der ehemaligen amerikanischen Botschaft, welche heute ein paar Tage im Jahr als Museum dient. An Silvester sind wir den Tag über noch alleine losgezogen und haben den Freiheitsturm besichtigt und sind auf den Fernsehturm gefahren, um Teheran bei Sonnenuntergang vom oben zu sehen. 

Nachdem wir nur noch über einer sehr neue, extrem durchdesignte Fußgängerbrücke flaniert sind, haben wir im Innenhof des Hostels mal einen ganz andere Silvesterabend verbracht. Natürlich gab es keinen Alkohol und es war mit etwas zu leiser Musik etwas gewöhnungsbedürftig sich dazu rhythmisch etwas zu bewegen. Aber auch das war für uns super interessant. Man sieht offensichtlich, dass der Iran ein Land ist, dass sich versucht von seinen Zwängen und Einschränkungen zu befreien. Nunja dieser Silvesterabend war dann auch kurz nach Mitternacht hinüber, da dies kein Feiertag im Iran ist und die meisten natürlich zur Arbeit mussten. 

Am 1. Januar sollte es wieder aufs Rad gehen und so starteten langsam aber sicher unsere Vorbereitungen am Morgen. Jedoch gingen Thomas und Gerrit noch Geld wechseln und Marian und Antonius waren einkaufen. Gleichzeitig mussten wir noch am den Manager warten, der unsere Kartenzahlung abhalten musste, da dies etwas schwieriger ist im Iran. So standen wir gegen 14 Uhr noch mit Sebastian(Sebadventure) in der Küche des Hostels zusammen. Sebastian, der eine Weltreise mit einem Jeep macht, kannten wir schon seit zwei Tagen und während wir uns so über den Silvesterabend unterhielten, enschieden wir uns einfach noch eine Nacht da zu bleiben und am Abend mit Sebastian was zu kochen. Dies erwies sich als sehr Weise Entscheidung, da wir so noch einen wirklich netten und coolen Abend in Teheran verbracht hatten.