10. Oktober 2018
Menton  
2132km gefahren 

Tourette-Sur-Loup-Menton, 66km 
Der fahrradfreie Tag und der Aufenthalt am Fluss hatten uns allen gut getan. An diesem Morgen kosteten wir alle nochmal die feste Unterkunft aus, weswegen wir erst gegen 9Uhr aufgestanden sind. Auch in dieser Nacht war die kleine Katze des Gastgebers ständig präsent. Nicht dass es uns gestört hättet, wenn sie sich neben oder auf uns gelegt hat... jedoch war es dieses sehr an eine elektrische Zahnbürste erinnernde, wirklich durchgehende schnurren dieser Katze, welches Marian am meisten den Schlaf geraubt hat, das was höllisch genervt hat. "Es gibt Staubsauger die leiser sind als diese Katze". Zitat Gerrit. Während des Aufenthaltes bei Sebastian sind wir etwas auf den Geschmack von Warmshowers gekommen. Deshalb, und weil die Wettervorhersage regnerisch aussah, haben wir vor unserer Abfahrt bei Sebastian erstmal die nächste Warmshower in Menton unmittelbar vor der italienischen Grenze klar gemacht. Weil wir alle etwas schlampig unterwegs waren, kamen wir erst kurz nach zwei los, was auch bedeutete, dass wir im Regen starten mussten. Durch immer wieder leichten Nieselregen ging es bergab zurück zur Küste nach Cannes. Danach durchgehend am Mittelmeer entlang immer wieder etwas hoch und runter durch Nizza, ein paar kleinere Küstenorte und Monaco. Kurz hinter Monaco 5km vor unserem Ziel fiel uns plötzlich auf, dass wohl Jemand von uns verloren gegangen ist. Uns war der Gerrit abhanden gekommen. Also fuhren wir den Weg tatsächlich ganze 2 Kilometer zurück, bis wir ihn einsam und verlassen  Regen am Straßenrand stehen sahen mit einer kaputten Kette. Es war erst halb acht. Also waren wir eigentlich noch gut im der Zeit, jedoch mussten wir erstmal eine neue Kette drauf machen. Gerrits Erstsatzkette ausgepackt, erste Ersatzniete abgebrochen,  Ersatzniete von Antonius Ersatzkette ausgepackt, Ersatzniete abgebrochen, dritte und letzte Ersatzniete von Thomas Ersatzkette ausgepackt und es hat tatsächlich geklappt. Puhhh, Glück gehabt. Nach diesem halbstündigen Intermezzo ging es an die letzten 7km. Gegen neun Uhr trafen wir bei unseren Gastgebern Sarah und Guillaume ein. Doch vor unserer warmen Dusche konnten wir erstmal ein leckeres essen genießen. Mit Suppe als Vorspeise, Hauptgang und Brot und Kuchen zum Nachtisch konnten wir uns genüsslich satt essen. Nachdem wir dann alle unsere warme Dusche hinter uns hatten, lagen wir gegen halb eins fertig in unseren frisch vorbereiteten Betten und konnten dem strömenden Regen draußen lauschen. Wie gut, dass wir so nette Gastgeber gefunden haben. Danke an Sarah und Guillaume.
9. Oktober 2018
Tourette sur Loup
2066 km gefahren

Tourette sur Loup, 0km

Einer der schönsten Tage unserer Tour, das halten wir am Abend dieses Tages fest und kuscheln uns rundum zufrieden in die Schlafsäcke, die wir in dem kleinen Verschlag, in dem wir hier bei Sebastien übernachten, ausgebreitet haben. Mal sehen ob die kleine Katze uns auch heute wieder einen Besuch abstattet, wie in der letzten Nacht. Geschlafen haben wir nach der Etappe natürlich trotzdem gut und der morgen begann wie in einem kitschigen Traum. Die Sonne hatte es noch nicht ganz um die Hauswand geschafft, aber der Himmel war blau und es war bereits angenehm warm. Die beiden Argentinier huschten ab und zu durchs Bild. Für sie hieß es heute wieder rauf aufs Fahrrad in Richtung Italien. Sebastien dagegen die Ruhe selbst, war damit beschäftigt Pancakes zu machen. Kaffee gab es für uns Deutsche natürlich auch. Aber die Maschine musste erst aus der Ferienwohnung im Erdgeschoss geholt werden, da Sebastian lieber seinen Chai-Tee trinkt und die beiden Argentinier natürlich Mate. Bei Pancakes mit selbstgemachter Marmelade und Blick auf die Berge wurden wir Europäer dann in die "Mate-Welt" eingeführt. Vielleicht auch eine Idee für die kalten Wintertage. Aber an die verschwendeten wir dann keine Gedanken mehr. Zwischen 12 und 14 Uhr, wenn die Sonne am höchsten Punkt steht, wollten wir, wie unser Host es uns am Abend zuvor empfohlen hatte, die Schlucht besuchen, durch die sich der kleine aber reißende Fluss Le Loup seinen Weg bahnt. Sebastian wollte uns seinen Lieblingsplatz dort  zeigen. Mit Pool und Rutsche. Alles im Laufe der Jahrhunderte durch das Wasser in den Stein geformt, vertsteht sich. Netterweise fuhr uns Sebastian den Weg zur Schlucht und führte uns hinunter. Beides in einem Tempo, das glaubt ihr gar nicht. Das Wasser war eiskalt. Ungefähr so cool wie Sebastiens gelassene Art. Ganz langsam ging er dann auch baden, während wir staunend zusahen. Aber irgendwie schien es ja machbar zu sein. Also folgten Marian und Antonius seinem Beispiel. Wir sahen noch einer Canyoning-Gruppe zu, was in dieser Region neben Paragliding und Klettern sehr beliebt ist. Dann musste Sebastien sich auch schon uns verabschieden, da er mit seiner Freundin in den Urlaub fährt. Wir verbrachten blieben noch ein oaar Stunden und genossen die Schönheit der Natur um uns herum, die Sonne und das erfrischende Wasser. Dann machten wir uns auf den Rückweg entlang des Flusses bis zu einer kleinen Süßwarenfabrik und von dort an zurück zu Sebastiens Haus. Ab der Fabrik nahmen wir dann leider die falsche Straße, die weiter oben am Hang entlang führte. Ein oder zwei Stunden später machte dann auch Gerrit, der noch eine Weile in der Schlucht geblieben war, den selben Fehler. Da die Straße aber der unteren glich liefen wir alle zunächst einmal die falsche Straße entlang. Als wir dann unseren Fehler erkannten starteten wir den holprigen Weg über Stock und Stein und durch fremde Gärten hinunter zu "unserem" Haus, das wir jetzt für ein paar Stunden so nennen konnten, da Sebastien im Urlaub war. Wir begannen in der Außenküche zu kochen und genau wie in der Schlucht konnten wir auch hier einfach mal entspannen, ein bisschen zur Ruhe kommen und den Moment an und um das wunderschöne Haus genießen, welches unser Host in 10 Jahren Arbeit liebevoll hier an den Hang gebaut hatte. Ein Paradies und eine Inspiration für uns.

8. Oktober 2018

Tourette-sur-Loup

2066km gefahren

 

Grimaud-Tourette-sur-Loup, 100km
Die Wettervorhersage meinte zwischen 5 Uhr und 6 Uhr soll es nicht regnen. 4:45 Uhr, Antonius Wecker klingelt. Antonius wacht auf, guckt raus, es ist noch dunkel. Daraufhin fragt er Marian:,,Sollen wir aufstehen?“ Die Antwort war nur ein genervtes Brummen von der anderen Zeltseite. Also weiterschlafen. Als es um 9 Uhr glücklicherweise so gut wie nicht mehr geregnet hat, beschlossen wir dann allerdings doch schnell unser Lager abzubauen, bevor der nächste Regenschauer uns wieder überrascht. Also die nassen Matratze und Schlafsäcke in die Taschen gepackt, da eines unserer Zelte trotz extra Folie unter und im Zelt leider nicht dem starken Unwetter stand halten konnte. Glücklicherweise konnten wir den Rest der Sachen auch noch im Trockenen zusammenpacken, uns in teils durchnässte, teils neue Regengarnitur zwängen und losfahren. Das Ziel für diesen Tag waren 100km bis zu unserem Gastgeber, den wir bei warmshower gefunden hatten, zu fahren. Die ersten Kilometer ging es die gleiche Strecke, wie am Vorabend, wieder zurück, bis zum Meer. Dort erwartete uns, wie könnte es besser sein, Gegenwind. Wenigstens war die Aussicht auf das Meer schön. Nach den ersten 30km machten wir dann einen kurzen Stop um uns Verpflegung zu besorgen. Nicht viel weiter folgte die Mittagspause, da der Himmel gerade aufklarte. Also setzten wir uns auf einen Grünstreifen neben einer Straße auf eine Bank. Zuvor breiteten wir unsere klammen/nassen Sachen neben uns auf einem Großteil der Wiese zum trocknen aus. Schnell jeder ein großes Baguette vertilgt, die teilweise immer noch klammen Sachen in die Taschen gepackt und weiter ging es, weil wir noch an die 70km mit ca.1.800 Höhenmetern vor uns hatten. Unsere Route verlief von dort an immer weiter ins Landesinnere. Wir kamen aus den sehr touristisch geprägten Küstenregion, in bergiges naturgeprägtes Land. Dabei ließen sich die Berge, verfolgt von der schönen Aussicht, gut beklimmen. Die darauffolgenden Kilometer, über die schönen Straßen Südost Frankreichs, ließen sich, für den einen mehr für den anderen weniger, leicht weg radeln. Das ewige rauf und runterfahren der Berge zog sich dann allerdings doch länger hin als gedacht, weshalb es langsam anfing dunkel zu werden und wir hatten noch 30km vor uns. Davon nicht eingeschüchtert, sondern eher noch motivierter, ging es weiter. War mal wieder schön im Dunkeln unterwegs zu sein. Um ca.20 Uhr ging es dann nach etlichem rauf und runter, an die letzte Abfahrt. Über 200m ins Tal. Angekommen an der richtigen Adresse, war es dann doch schwieriger das Haus zu finden als gedacht. Glücklicherweise hatte unser Gastgeber Sébastien für uns früher Feierabend gemacht, weshalb er uns zu seinem Haus führen konnte. Dort warteten schon zwei andere Gäste von Sébastien, welche aus Argentinien kommen und auch eine Radreise machen. Eine weiteres Lächeln zauberte Sébastien uns mit ein paar kühlen Bier ins Gesicht, die wir beim Essen, welches die Argentinier zuvor gekocht haben genüsslich tranken. Daraufhin zeigte Sébastien uns noch unsere Unterkunft, ein Schuppen neben seinem Haus, Luxus im Gegensatz zu nassen Zelten. Die warme Dusche darf man natürlich auch nicht vergessen.

7. Oktober 2018

Grimmaud 

1966km gefahren


Hyères-Grimmaud, 76km

Die Nacht in der Bushaltestelle verlief ohne Komplikationen. Außer der kurze Zupfer am Schlafsack von Antonius, dass wir unsere Füße einziehen sollen. Das war so gegen fünf Uhr morgens und es fing an zu regnen.
Um 7:30 startete der Tag dann für alle.
Schnelles Frühstück und zusammenpacken unseres Krempels wurde vom bissl undichten Bushaltestellendach beschleunigt.
So gings mal 2h vor Mittag los.
Zu unserem Glück und passend zur Mittagspause hörte der Regen auch auf. Leider nicht für immer. 
Denn nach der Pause direkt am Mittelmeer, wo auch eine kleine Swimmsession startete, fing es nämlich erneut an.
Aber kein Problem, noch hielten die Regenklamotten dicht und unser Ziel Saint-Tropez war auch nicht mehr fern. 
Wir fuhren immer entlang der Küstenstraße und hier entdeckten wir dann sogar einen Supermarkt der Sonntags geöffnet hatte. Wir hatten zwar eigentlich alles eingekauft, aber falls es weiter so schütten sollte können wir nicht kochen. Deswegen noch schnell Brot (es gab sogar deutsches Vollkornbrot), Käse und noch Marmorkuchen für die Stimmung gekauft.
 5km von St. Trope entfernt fiel Thomas allerdings auf, dass das Navi eine Abkürzung genommen hatte und wir so die Landzunge auf der Saint-Tropez liegt im Inland umfahren haben. 
Also quasi schon dran vorbei gerast... 
Da eh schon 17:30Uhr war und wir langsam aufweichten beschlossen wir auf Saint-Tropez zu verzichten und einen Schlafplatz zu suchen. 
Da wir halt immer noch in dem Tourigebiet unterwegs sind erwies sich dass immernoch als schwierig. Deswegen Satellitenbilder gecheckt und Felder im Hinterland angesteuert. 
Nach 10km haben wir dann die irgendwie einzig vorhandene Wiese gefunden, die nicht abgezäunt war. 
Natürlich pisste es in dem Moment wo wir völlig durchnässt die Zelte aufbauen mussten wie aus Kübeln. 
Doch mit Humor haben wir vermutlich den bisher unangenehmsten Teil unserer Reise gemeistert und konnten uns im halbwegs trockenen Zelt unser Abendbrot gönnen. An Kochen war nicht zu denken, also war Vollkornbrot mit Camenbert angesagt. Danach hat Marian noch ein paar Warmshowermitglieder (eine Webseite wo private Schlafplätze für Radreisende angeboten werden)  in unsere Fahrtrichtung (immer gen Osten) angeschrieben, ob ein trockenes Plätzchen frei ist. Der Wetterbericht sagte nämlich keine wirkliche Besserung voraus. 
Um 21 Uhr haben wir dann einfach unseren Gehörgang mit Ohrstöpsel verschlossen und das leicht nass werdende Innenzelt ignoriert. 
So konnten wir in der Hoffnung auf vielleicht trockenes Wetter am Morgen, mehr oder weniger Ruhig schlafen.

6. Oktober 2018

Hyères

1890km gefahren


La Choitat-Hyères, 73km 

Die Nacht an der Olivenbaumallee war vorbei und das Wetter war immer noch gut. Relativ spät sind wir gegen halb neun aus unseren Zelten gekrochen und haben unsere Baguettes zu uns genommen. Die nette Geste des jungen sehr netten Biobauers, uns Kaffee anzubieten schlugen wir leider aus, da unser Instantkaffee schon so gut wie fertig war. Somit brachte er uns stattdessen Wasser und eine Flasche von seinem hausgemachten Apfelsaft. Nachdem wir die gemütliche Atmosphäre noch etwas ausgekostet hatten, waren wir gegen 12 Uhr startklar. Vor der Abfahrt noch schnell ein paar Äpfel, eine Melone und etwas Brot im Hofladen besorgt und schon ging es los. Eigentlich keine besonders aufregende Etappe. Lange führte uns der Weg durch eng bebautes Touristengebiet immer wieder am Mittelmeer entlang. Nach unserem Großeinkauf für zwei Tage, da es Samstag war, genossen wir in Toulon an der Promenade am Meer unsere Brotzeit. Ausnahmsweise sollte unsere Brotzeit nicht etwas ausarten, da es schon später am Nachmittag war. Weiter ging es also aus Toulon raus, dennoch weiter am Mittelmeer durch stark touristisch geprägtes Gebiet. Auf Maps wurde dann gegen viertel vor sechs etwas die Umgebung gecheckt, mit der Hoffnung in etwas ländlichere Gefilde zu gelangen. Der erste Versuch etwas ab von der Küste einen Schlafplatz zu finden verlief insofern erfolgreich, dass die ältere Dame uns ihren Hinterhof anbot. Nicht so erfolgreich daran war, dass sie dafür 30€ von uns haben wollte. Mit der Ausrede wir hätten kein Geld hat sie dem, glauben wir zumindest,  auch ohne Geld zugestimmt. Dennoch, der Platz war sowieso eher suboptimal zum campen, sodass wir ihr sagten, dass die Heringe leider nicht in den Boden zu bekommen wären. Schnurstracks verließen wir ihr Grundstück wieder und setzten die Suche fort. Wir fuhren immer weiter außerhalb in die Hügel wo wir auch unsere Schwierigkeiten hatten. Verbarikadirrte Grundstücke und felhlede  Klingeln erschwerten die Suche. Mehrmals wurden wir auf das Wildschweinproblem in der Nacht hingewiesen, weshalb Wildcampen auch nicht so wirklich drinn saß. Zusätzlich wurde es langsam dunkel. Nachdem uns mitgeteilt wurde, man könne sich auf dem öffentlichen Platz im Dorf niederlassen, taten wir also genau das. Ein kleiner Parkplatz, ein Wasserhahn und eine sehr geräumige Bushaltestelle, die von zwei Seiten eine Mauer hatte,  haben wir dort vorgefunden. In jener haben wir erstmal gekocht und am Wasserhahn konnten wir uns waschen. Also gar nicht so schlecht. Wir entschieden uns dazu die Zelte eingepackt zu lassen und in der Bushaltestelle unsere Matratzen auszulegen und dort zu schlafen. Im Endeffekt eine Weise Entscheidung, obgleich man die Zelte auf dem Boden sowieso nicht hätte aufbauen können...

5. Oktober 2018

La Ciotat 

1817 km gefahren 



Cassis-La Ciotat, 25km


Eine der besten Nächte, die wir bis jetzt hatten. Nach dem Schlummertrunk von Valerie sind die Augen quasi von selbst zugefallen. Deswegen fiel es uns auch nicht schwer früh aufzustehen um uns nach einer kleinen Fotosession von unserer Gastgeberin Valerie zu verabschieden, da sie zur Arbeit musste. 

Netterweise hat sie uns erlaubt den Vormittag noch in ihrem Haus zu verbringen. Deshalb haben wir ganz entspannt gefrühstückt, haben die Sachen gepackt, noch ein bisschen Internet/Blog Stuff gemacht und einfach noch die Freiheit und das schöne Anwesen in Cassis genossen.

Irgendwann reichte es dann auch mal, also los. Wir mussten schließlich auch noch eine "kleine" Klippe hochdüsen. 

Um ca. 14:00 Uhr dann los gekommen, kurz an der Bäckerei vorbei gefahren und dann ging das krackseln los. Die Routenbeschreibung von Valerie, welche meinte, dass die ersten km noch die entspanntesten wären. Dreiste Lüge. Die ersten paar km die Klippe hoch waren schrecklich. Gefühlte 90% Steigung ging es dann die ersten km schleppend hoch. Nachdem wir dann eine Technik für uns entdeckt haben, nämlich in Schlangenlinien die steilen Passagen hochfahren(sehr zu empfehlen), haben wir diese überstanden und konnten auf der in Serpentinen geschwungenen Straße, die Küste weiter hoch radeln und einfach die wunderschöne Aussicht betrachten. An der ersten Spitze angekommen, haben wir dann nach den starken 8km unsere Mittagspause gemacht. Tolle Aussicht Baguette und 4 kaputte Chaoten, besser könnte es nicht sein. Dann noch kurz den anderen Anstieg locker weggeradelt, was dann doch ganz schön viel Spaß machte. Nun ab die Post, runter nach La Ciotat. 

Auf der Suche nach einem Schlafplatz sind wir etwas durch die Stadt geirrt. Schon fast wieder deprimiert darüber nichts zu finden, da wir schon die erste Absage bekommen hatten, sind wir zu einem Haus mit weitem Feld gefahren. Ein kurzes Nachfragen genügte und sofort haben wir einen Platz gezeigt bekommen, wo wir unsere Zelte platzieren durften. Schnell noch kochen, damit wir alle noch ein bisschen Zeit haben um Ukulele zu spielen, zu telefonieren und Berichte zu schreiben. Abschließend ist es tatsächlich eine gute Idee gewesen mit dem Fahrrad die Klippen hochzuklettern und zu empfehlen. Es ist eine echte Challange gewesen und diese zu meistern Motiviert und gibt Kraft für das was noch los mag.  

Nebenbei diese super Aussicht auf die Küste von Cassis und das tiefblaue Mittelmeer.

Kurze und knackige 25km reichen doch vielleicht auch mal aus.

4. Oktober 2018

Cassis

1792km gefahren


Cassis, 12km


Donnerstag der ein Freitag für uns ist.

Da in Cassis die Einbrecher sehr aktiv sind, ist eigentlich jedes Haus von einem großen Zaun umgeben, videoüberwacht und mit einer Alarmanlage gesichert.

So hat uns Valerie, nachdem sie mit Antonius und Thomas ins Tal gerast ist um uns Frühstück beim besten Bäcker der Region zu kaufen, kurzerhand den "Beep" für das Tor und die Rollläden gegeben damit wir nicht zusammen mit ihr um 8:30 Uhr raus müssen.

,,I really trust you guys! Feel like you are at home. Only be careful with the dogs and send a message when you leave. Then I'll switch the alarm on."

Wir waren wie gestern immer noch von ihrer Offenheit im positiven Sinne überfordert, denn nach nur 12 Stunden Bekanntschaft hat uns vorher niemand bisher die Schlüssel überlassen. 

Trotz des Luxus ein Haus zu "besitzen" wollten wir zur Abwechslung mal wandern gehen und unsere Trekkingschuhe testen. 

Die Calanques von Cassis sind dazu wunderbar geeignet. Es war ein wunderschöner Wanderweg mal im Tal, mal entlang der Klippe mit Aussicht auf das Meer. 

Jetzt war einfach nur spazieren, planschen und genießen angesagt. 

Zurück bei Valerie, mussten wir nur eine Nachricht an sie schicken und schon konnten wir ohne Alarm das Haus betreten. 

Um nicht nur zu nehmen hatten wir beschlossen am zweiten Tag für Valerie zu kochen. 

Was bietet sich da besser an als Backofenkartoffeln mit Kräuter der Provence? Deutsch-Französische Küche. 

Also haben wir Kartoffeln geschnitten, Salat, Cocktailsauße und Guacamole zubereitet. 

So konnten wir Valerie ein eigentlich fertiges Essen präsentieren. Vom bisschen nachwürzen mal abgesehen. 

Während des Essens erzählte sie uns von ihren sehr interessanten Einstellungen gegenüber des heutigen Lebens, der Kirche, den Stolz der Franzosen und das wir  bei der Etappe am nächsten Tag sterben werden, weil es so steil ist. Also unsere Beine sterben, nicht wir so ganz. 

Also quasi alles einmal durchgesprochen. 

Zum Nachtisch bemutterte uns Valerie noch mit Melone, danach schenkte sie uns noch ein Glas Nutella, da wir am Tag vorher erzählt hatten, dass wir nur "Fake-Nutella" essen, da das Original zu teuer ist. 

Sei dies nicht genug gab es noch zum gut Schlafen einen Tee aus Ingwer, Zitronengras, Minze und Salbei, welcher zu ihrem abendlichen Ritual gehört.

Voller neuer Inspirationen, Blickwinkel auf die Dinge der Welt und auch die ein oder andere Verschwörungstheorie im Kopf konnten wir in Ruhe einschlafen.

3. Oktober 2018

Cassis

1780km gefahren


Aix-en-Provence - Cassis, 75km


Mit dem Duft von Thymian in der Nase sind wir aufgewacht. Nach unserer Nacht an der Zugtrasse und Autobahn war diese Nacht sehr viel ruhiger und erholsamer.
Unser Frühstück gönnten wir uns in der warmen Sonne Südfrankreichs, welche uns schon am Morgen in Hochstimmung brachte. Denn heute geht's bis nach Cassis und wir hatten die Hoffnung am Abend schon den kleinen Zeh ins Mittelmeer zu halten.
Nach dem alltäglichen Zusammenpacken ging es von unserem kleinen Ort in der Natur zurück auf die Straße. Erstes Ziel: das 18km entfernte Aix-en-Provence. Gut eine Stunde später standen wir dort auf der Matte und spazierten durch die wirklich sehr schöne Stadt.
Leider waren die Cafés zu teuer und auch noch keine Brotzeit-Zeit, weshalb wir die Stadt in Richtung Süden verließen.
Angepeiltes Ziel war Cassis. Über schmale Straßen radelten wir mitten durch die Kräuter der Provence. Hügel rauf und runter.
In Greasque wurde noch Proviant gekauft, denn ohne Essen kein Essen. Und da wir dann Essen hatten konnten wir gemütlich unter Pinien und Kiefern unser Essen essen. Das Essen abgeschlossen, schossen..."Ok das reicht!"...wir angestachelt von der Motivation 'la mer' zu sehen weiter die Hügel hoch und runter, mit kleinem Schlenker um Marseille.
Je näher wir an die Küste kamen, desto voller wurden leider auch die Straßen, hinzu kam vermutlich auch der Feierabendverkehr.
Also ab ins Gedränge und den letzten Berganstieg hoch...
Die anschließende Abfahrt trockenete die Schweißtropfen und ließ vor Freude, vielleicht auch eher vom Fahrtwind, die Tränen in die Augen schießen.
Mit einem einer Landstraße entsprechendem Tempo konnten wir tatsächlich schon für einen kurz Moment das Mittelmeer erblicken, dann war bremsen angesagt... Ein Bürgersteig stieg aus dem Seitenstreifen empor und ließ dem ein oder anderen das Herz ein bissl tiefer rutschen, aber nix passiert.
Nun steht die Sonne auch am Mittelmeer nicht immer im Zenit und um diese Zeit waren die Schatten schon recht lang, deswegen war Schlafplatzsuche angesagt, statt zu planschen.
Da ein Pausentag eingeplant war, mussten wir also einen Bauern oder so finden der uns eventuell für zwei Nächte campen lassen würde.
Der Campingplatz in Cassis war nur die letzte Alternative, weil: sehr teuer.
Also mal einfach Richtung Weinberge fahren und mal schauen was sich so finden lässt.
Doch weiter als 50m sind wir nicht gekommen, denn da hielt plötzlich ein Auto vor uns an und eine Dame stieg aus. Wie wir mittlerweile wissen heißt sie Valérie. Sie vermutete dass wir mit unseren Zelten irgendwo in der Nähe aufschlagen würden. Sie fragte nach was wir denn vorhätten und fügte direkt an, dass es verboten sei hier zu campen. Sehr unfreundlich fanden wir irgendwie. Aber unser erste Eindruck täuschte uns gewaltig. ,, If you want, you can follow me."
So wurden wir herzlichst eingeladen in bester Wohnlage bei Valerie im Garten zu Campen.
Und sei dies nicht genug, durften wir noch duschen und wurden bekocht.
Bei sehr leckerem Essen, einem Glas Wein und mit den zwei seeeehr verschmussten Hunden Li & Lu haben wir den Abend ausklingen lassen.
Vielen Dank für das was du uns jetzt schon gutes getan hast, Valerie.*
*Spoiler: Es kommen morgen noch mehr.

2. Oktober 2018

Aix-en-Provence

1705 km gefahren



Avignon- Aix-en-Provence, 60km 

 


Neben dauerhaft andauerndem Lärm von Autobahn und Zugstrecke lies es sich durchweg recht unruhig schlafen. Hinzu kam natürlich der immer noch anhaltende sehr starke Wind. Letzteres war auch ein Grund, weshalb es morgens noch sehr kalt war. Somit wagten wir uns gegen halb neun aus den Zelten, bauten anders als sonst alles direkt ab, da wir ja nicht so wirklich mit erteilter Erlaubnis gecampt haben. Als es an Fahrräder beladen ging bemerkten wir, dass wir unseren ersten Platten zu vermelden hatten. Ein kleiner Dorn steckte noch an der Seite von Thomas Hinterreifen. Gott sei Dank nur ein kleines Loch, welches schnell geflickt war. Dadurch etwas verzögert ging es gegen halb zwölf auf die Räder. Mit dem kräftigem Wind im Rücken wurden erstmal ein paar Kilometer geradelt, bis zum nächsten Ort, wo wir  holten neue Banknoten und Marian und Thomas waren koten. Nach dem erledigten Einkauf hat uns ein Angestellter des Supermarktes, welcher grad in die Mittagspause ging, eine schöne, für uns eigentlich viel zu teure Salami geschenkt, da er anscheinend sehr begeistert von unserem Vorhaben war. Nach gut 40km war es dann Zeit für unsere Brotzeit und noch immer pfiff uns der kalte Wind um die Ohren. Als wir jedoch in etwas weniger besideltes Gebiet eingeradelt sind, wurde das Wetter mit der Landschaft immer schöner. Die Hitze hatte uns die schöne Provence perfekt vervollständigt. Nach einem vergeblichen Versuch bei einem Haus, entschlossen wir uns dazu einen holprigen Weg abseits der Straße ein kleines Stück zu folgen. Also schlugen wir unser Lager abgeschirmt von Bäumen von der Straße am Rand einer großen Wiese auf. Dort sehr früh gegen halb sechs angekommen, genossen wir die Atmosphäre, welche durch Windstille, duftende Thymianpflanzen und blauen Himmel geprägt wurde. Später am Abend hatten wir noch die Möglichkeit einen wundervollen Sonnenuntergang und ein paar Sternschnuppe bestaunen zu dürfen, wodurch wir noch auf den Geschmack kamen ein bisschen über Gott und die Welt zu philosophieren. Genug geredet, spülen und ab in die Heia.


1.Oktober 2018

Avignon 

1645km gefahren



1. Oktober 2018

Avignon


Pierrelatte-Avignon, 86km


Eine sehr unruhige Nacht hatten zumindest Antonius und Marian heute hinter sich. Dies lag vor allem daran, dass ein kleinen Kater, den wir am nächsten morgen, wie alle Katzen die wir bis jetzt auf unserer Tour trafen, Bruno nannten, in dieser Nacht sein Unwesen in ihrem Zelt trieb. Allerdings war dieser so süß, weshalb wir den ganzen morgen mit dem Gedanken spielten, ihn einfach mitzunehmen.

Nachdem wir dieses Hirngespinst wieder aus unserem Kopf verbannten, gefrühstückt hatten und die Sachen gepackt waren, konnten wir unsere heutige Etappe, in Richtung Avignon, fortsetzen. Der Tag fing schon sehr windig an, was vorteilhaft ist wenn man den Wind im Rücken hat, allerdings auch nachteilig, da es kalt ist und der Wind bloß nicht von vorne kommen darf. Heute war der Wind allerdings großteils auf unserer Seite. Etwas frisch war es, allerdings Rückenwind, der unsere Räder quasi von selbst fahren lies. Die ersten 25km geradelt, dann einkaufen und Mittagspause, da wir nur ein Baguette für vier Personen, an diesem Morgen hatten.

Die Pause zog sich aufgrund einer sehr bequemen Wiese, auf der Antonius und Marian ihren fehlenden Schlaf nachholten, in die Länge. Nach einigen lieb gemeinten Tritten von gerrit schafften die beiden es sich aufzuraffen, sodass wir weiterfahren konnten. Daraufhin wurden die nächsten ca. 40 km bis nach Avignon in zügigem Tempo durchgefahren. Dort angelangt war es schon 17:00 Uhr, weshalb nicht mehr viel Zeit blieb, um sich die Stadt genauer anzuschauen, was generell auch sehr schwierig mit den vollbepackten rädern ist. Einige schöne Sehenswürdigkeiten, wie den Papstpalast, angeschaut und auf den Weg raus aus der Stadt gemacht. Dabei kamen wir durch einen eher unschönen Teil der Stadt. Eine sehr runtergekommene Gegend, man könnte fast von einer Marginalsiedlung sprechen. Der Weg war zugemüllt, überall lagen Scherben und es waren große Steine als Barrieren verteilt. Doch nichts passiert. Da es nun schon recht spät war, mussten wir dringend einen Platz für die Nacht suchen, bevor die Dunkelheit einbrach. Dies gestaltete sich diesmal sehr schwer, weshalb wir nach langem Suchen, einer Beschreibung einer netten Dame gefolgt sind und uns auf einer Wiese mit Apfelbäumen niedergelassen haben. Neben uns direkt die Autobahn und eine Zugverbindung, aber kein Problem, da wir sowieso ausgepowert waren. Schnell noch was gekocht und ab in die Zelte.

30.September 2018

Pierrelatte

1559km gefahren


Soyons-Pierrelatte, 83km 


Nach unsere vierten Nacht, die wir zumindest neben einem Bouleplatz verbracht haben, sind wir sogar etwas zeitig nacheinander um halb acht aufgestanden, sodass wir gegen halb neun Dank Gerrit, frisches Baguette vom Bäcker essen konnten. An einem richtigen Tisch sitzend, inklusive bestehenden Wasserhahn, war natürlich auch das Frühstück eine sehr angenehme Luxuriösität. So ging es immernoch zeitig gegen viertel vor zehn in die Aufräumphase. Diese wurde gegen Ende hin jedoch von unerwarteten Regen überrascht. Etwas angenäst haben wir trotz alledem das große Zelt eingepackt und konnten vergleichsweise früh gegen halb zwölf tatsächlich starten. Nach kurzer Warmrollphase endete dann auch der Regen, welcher an diesem Tag zum Glück nicht mehr wiederkehrte. So verlief die Fahrt tatsächlich nach Gerrits zuvor getroffener Aussage "wir fahren 40km, machen Pause, fahren 40km, Zack fertig: Lange Etappe." Es lies sich die ganze Etappe weiter am Via Rohne Radweg wunderbar fahren. Mit Rückenwind und nahezu ohne Stopps stand nach 45km die Brotzeit auf dem Terminplan. Angekommen in der Provence packten wir auf einem kahlen Feld unsere Stühle aus, machten es uns bequem und vertilgten unser gesamten noch vorhandenes Brot. Während unserer Pause verzogen sich mehr und mehr alle Wolken am Himmel, sodass die zweite Etappe des Tages noch schöner zu fahren wurde. Flott ging es also weiter am bekannten Via Rhône Radweg. Zuzüglich zum besseren Wetter war die zweite Hälfte in Sachen Landschaft deutlich schöner. Nach erreichten 80 Kilometern konnte gegen viertel vor sechs die Schlafplatzsuche beginnen. Es brauchte wiedermal nicht lange, bis wir etwas ab vom Radweg nur bei einem Haus mit einer Wiese daneben fragen mussten, bis wir unseren Platz für die Nacht gefunden hatten. Neben dem Stellplatz haben wir natürlich dankend die Dusche angenommen.

29. September 2018

Soyons

1476 km gefahren


Andencette-Soyons, 60km


Eine Tour von Bouleplatz zu Bouleplatz. Aufgestanden sind wir in Vandencette am an einem Friedhof gelegenen Platz, keine 50m entfernt von der "Via Rhona", dem Fahrradweg dem wir jetzt seit ein paar Tagen folgen.  Antonius war auf der Suche nach einer Bäckerei auf einen Wagen gestoßen der vor einer Backstube mit frischem Baguette beladen wurde. Irgendwie hatte er es geschafft einer Dame dort mitzuteilen, dass er gerne 5 Baguette hätte und begab sich so mit der Beute zurück ins Lager, wo Thomas bereits Kaffee kochte. Jetzt mussten nur noch die anderen beiden Schnarchnasen geweckt werden. Zuerst steckte Gerrit seine Nase aus dem Zelt und schnupperte ein bisschen Morgenluft. Marian folgte seinem Beispiel. Bis sich dann alle zum Frühstück eingefunden hatte war es dann auch schon 9 Uhr oder erst 9 Uhr. Jedenfalls war noch genug seit um bei Kaffee und Baguette über die Dinge des Lebens zu philosophieren. Um 12 Uhr ging es dann los. Irgendwie verlief die Etappe von da an eher ereignislos. Wieder zurück an die Via Rhona mit dem Ziel ein paar Kilometer gut zu machen. Aber irgendwie haben wir den Tritt nicht gefunden. Bei gutem Wetter ging es weiter die Rhone entlang. Da wir ja bereits gefrühstückt hatten wollten wir die Brotzeit in Valence zu uns nehmen, aber schon in Toulon machten wir die erste große Pause, um für den heutigen Tag und den morgigen Sonntag einzukaufen. Das brauchte seine Zeit. Der Supermarkt hatte freies WLAN. Also Stühle raus und erstmal Musik und Systemupdates herunterladen. Und plötzlich war es dann 15 Uhr. Schnell also auf die Räder um wenigstens ein paar Kilometer zu machen. Gegessen hatten wir da immernoch nicht. Wir fanden eine Bank auf einem Picknick-Platz an einem Seitenarm der Rhone. 16 Uhr. Es geht weiter, denn 60km wollten wir dann doch schaffen. Kurz bevor die 60km erreicht waren sahen wir einen Bouleplatz direkt an der Via Rhona. Aber irgendwie zu viele Menschen, niemand der offiziell aussieht. Schien also doch ein öffentlicher Platz zu sein uns kein Bouleverein, der uns die Erlaubnis geben könnte auf dem Gelände zu übernachten. Wir fuhren also ein Stück weiter. Als ein kleiner roter Citroen neben uns hielt und der Fahrer uns fragte was wir den suchen würden schilderten wir ihm, dass wir einen Platz für zwei Zelte suchten. Er wusste eine Möglichkeit. Wir mussten vorne an der Straße einmal rechts abbiegen und dann wieder die erste Möglichkeit rechts. Hieß für uns wir mussten ein Stück zurück fahren. Aber das war ja nicht so schlimm. Wie sich dann nach einiger Zeit herausstellte war die erste Möglichkeit rechts die Einfahrt zum Bouleplatz. Also fragten wir dann doch. Fünf oder sechs strahlende und begeisterte Gesichter sahen uns an nachdem wir fragten ob die Möglichkeit bestünde hier eine Nacht zu übernachten. Ja! War die einvernehmliche Antwort. Zwar waren wir uns immernoch sicher, dass die Fläche hier der Stadt gehört und keinem Verein. Vor allem weil wir auf die Fläche hinter der Hecke des Bouleplatz verwiesen wurden. Aber die Antwort hatte so überzeugt geklungen, dass wir unsere Zelte aufschlugen. Kurze Zeit später kam ein Radreisender auf der Via Rhona an der Wiese vorbei so wie wir eine Stunde zuvor. Auch er war auf der Suche nach einem Schlafplatz. Den Abend ließen wir also gemeinsam ausklingen. Er erzählte uns, dass er aus Toulouse kommt und auf dem Weg nach Südfrankreich ist. Ein sehr gelassener, freundlicher Typ. Doch noch eine interessante Begegnungen oder Erfahrung an diesem Tag.

28. September 2018

Andancette

1416km gefahren


Lyon-Andancette, 85 km


Eine weitere angenehme Nacht in Lyon bei unserem Gastgeber Florian verbracht. 7:00 Uhr aufstehen, ganz schön früh für uns. Aber da Florian noch Termine hatte, haben wir versucht uns ein bisschen anzupassen. Alle ein mal unter die Dusche, ein paar Sachen beim Bäcker geholt, den Boden von Matratze und Schlafsäcken befreit und noch ein letztes Mal in Lyon mit Croissant, Baguette und Florian Frühstücken. Anschließend nach einer herzerwährmenden Verabschiedung, konnten wir um kurz nach 10 wieder auf die Räder. Die ersten Kilometer ging es an Baustellen, hupenden Autos und ampelignorierenden Menschen vorbei, schleppend raus aus Lyon. Dort trafen wir auf den Radweg Via-Rhôna, der uns den ganzen Tag entlang der Rhône begleitete. In der Mittagspause begannen die ersten Versuche ein paar Töne auf unserer in Lyon erworbenen Ukulele zu spielen, was aber nicht allseits auf Begeisterung stieß. 

Durch das allerdings schöne Wetter, Rückenwind und leichtes Gefälle, fühlte es sich anschließend an diesem Tag an, als würde man über den Asphalt fliegen, wovon alle begeistert waren. Mit 30km/h ließen sich die 85km an diesem Tag schnell runterradeln. Verzückend war unter anderm auch die Natur, die uns an die Rheinroute erinnerte. Schöner Fluss, umgeben von Weinbergen und kleinen Städte mit italienischem Charakter. Dazu fing die Vorfreude auf das Mittelmeer an immer größer zu werden.

Als die Sonne anfing sich ihren weg hinter die Berge zu suchen, fingen wir an unseren Platz für diese Nacht zu suchen. Glücklicherweise trafen wir auf einem sofort am Radweg liegenden Bouleplatz, was uns sehr gelegen kam, da wir uns ja in diesem Metier mittlerweile auskennen.

Also schnell gefragt, wie üblich eine Zusage bekommen und schnell die Zelte aufgebaut, sodass wir die letzten Sonnenstrahlen noch dazu nutzten im hellen zu kochen und zu essen. Danach noch das neue Album von Fynn Kliemann angehört, ein paar Telefonate geführt und ab in den warmen Schlafsack. 

Gute Nacht.

27. September 2018

Lyon

1231km gefahren



Lyon, 18km


Nach einem sehr schönen Abend und einer gleichsam erholsamen Nacht, sind wir alle gegen halb acht aufgestanden. Sehr früh für unsere Verhältnisse, jedoch wollten wir wenigstens etwas Zeit beim Frühstück mit unserem sehr netten Gastgeber Florian verbringen. Als dieser sich gegen halb neun auf den Weg zu seinem Französischsprachkurs gemacht hat, sind wir zunächst in seinem Zimmer geblieben. Während wir das Frühstück ausklingen ließen, wurde noch etwas social Media Zeugs betrieben und natürlich gechillt. Nachdem wir unsere Liegewiese etwas beiseite geräumt hatten, ging es dann gegen 13 Uhr mit nichtbepackten Rädern in Richtung Innenstadt. Mangels passendem Schuhwerk hat sich nach längerer Ausprobierphase jeder von uns ein neues Paar Trekkingschuhe gekauft. So nimmt dann auf so einer Reise das Praktikale beinahe die komplette überhand gegenüber dem Optischen. Innerhalb der Gruppe viel der Verlust der Sneaker dem ein oder anderem etwas schwerer. Nachdem stabiles wasserfestes Schuhwerk vorhanden war, wurden schnell noch ein Paar Ersatzschrauben für die Taschen geschoppt und schon war es 16Uhr. Kurz darauf haben wir uns mit Florian getroffen, der uns noch einmal durch die Altstadt geführt hat und uns ein paar sehr schöne Ecken gezeigt hat. Zu unserem Glück spielte natürlich auch das Wetter mit. 30Grad und blauer Himmel sorgten für einen herausragenden Blick von der Basilika aus auf die Stadt. Nach diesem doch etwas kurzem aber sehr schönen Eindruck begaben wir uns inklusive Florian wieder zurück in seine Wohnung. Etwas bescheidener gab es Pfannekuchen zum Abendessen. Mehr oder weniger satt sind wir trotzdem geworden und schön, wenn auch nicht so lang, war dieser Abend ebenso wie der vorherige. Mit einem so gutherzigem und und unkompliziertem Gastgeber wie Florian konnte es auch nicht anders sein. Gegen Mitternacht war unsere Liegewiese wieder aufgebaut und wir hatten eine weiter angenehme Nacht mit einem festem Dach über dem Kopf.

26. September 2018

Lyon

1213 km gefahren


35km vor Lyon bis Lyon, 35km


Heute zwar wieder mit kalten Füßen aufgewacht, aber wir haben natürlich die Teller am Abend zuvor blitzeblank gegessen, weshalb die Sonne schien und sie auftaute. Da unser heutiges Ziel nur 38km entfernt lag konnten wir in Ruhe Baguette frühstücken und abbauen.

Als alle Sachen, bis auf unsere verschollene Schlosschlaufe... R.I.P... gepackt waren, starteten wir.

Die Brücken über die A42, welche uns den heutigen Tag stetig begleitete, stellten die einzigen Steigungen dar, weshalb wir gut voran kamen.

Ungewohnt der immer mehr werdende Verkehr und die ersten  Ampeln seit Basel. 

Vor Lyon gab es auch wieder Radwege und wir konnten die Landstraßen wieder den Autos überlassen.

Nach guten 2 1/2h erreichten wir unser Zuhause für die nächsten zwei Nächte. 

Florian ein ehemaliger Mitbewohner von Antonius Bruder, erwies uns die Ehre bei ihm einzukehren. 

Zum Empfang bekamen wir erstmal einen Kaffee und den ersten Lebkuchen der Saison.

Die darauf folgende Duschsession in der Airbusdusche (Toilette, Waschbecken, Dusche wie aus einem Guss auf einem 3/4 Quadratmeter), wurde vom 

Wäschwaschen im Waschsalon abgelöst. Tatsächlich war keiner von uns je vorher in einem Waschsalon! Aber keine Sorge alles ist diesmal weiß geblieben. Einiges später war dann auch die Wäsche im Innenhof aufgehängt und die Zelte standen bereit.

Da Florian in einem "nur" 18 Quadratmeter Zimmer wohnt, hatten beschlossen auf dem ungenutzten Rasen im Innenhof zu campen. 

War auch eigentlich beim zuvor angetroffen Hausmeister angeteasert, doch nach einem herrlichen Festmahl bestehend aus Kartoffeln mit Cocktailsoße, Gebratenem Gemüse in Tomatensauce und Salat gespickt mit Zwiebel und Mais, klopfte es an die Scheibe. 

Eine "besorgte" Anwohnerin und der Hausmeister standen dort und verkündeten, die eine unfreundlich der andere nett:,, Baut doch bitte die Zelte ab und hängt die 15m Wäscheleine rein!'' 

Es ist nämlich ein Innenhof der gesamten Hausgemeinschaft und mehr als ein Kaffee und ne Zigarette rauchen ist verboten. 

Gründe der Verbote? Es ist verboten! 

Also um 23 Uhr raus, die Zelte abbauen und die Luftmatrazen ins Zimmer reichen. 

Zusammen mit einem riesen Haufen nasser Wäsche und einem mit Luftmatratzen bedeckten Boden haben wir dann noch den ein oder anderen Wein oder Bier gekillt und einen sehr schönen Abend erlebt. Florian, vielen Dank für alles.

25. September 2018

irgendwo vor Lyon

1178km gefahren

 

Broissia-30km vor Lyon 70km

 

Auf der Kuhwiese lies es sich zwar wunderbar schlafen, jedoch sind wir in der Nacht mit sehr niedrigen Temperaturen in Kontakt gekommen. Noch am Morgen standen 5Grad auf dem Thermometer. Sobald jedoch erste Sonnenstrahlen über den Hügel zur Kuhwiese durchdrungen, konnten wir unser nahrhaftes Frühstück, bestehend aus Müsliriegeln, Kuchen und Bananen, zu uns nehmen. Nach alltäglicher Aufräumsession ging es dann wieder gegen 12 Uhr los, weiter in Richtung Lyon. Da zu diesem Zeitpunkt ,zu unserem Glück, wieder strahlend blauer Himmel über uns war, konnten wir inklusive Rückenwind sehr angenehm die ersten Kilometer radeln. Weil unser Frühstück nicht allzu sättigend war, sind wir nach 24 km bei einem Bäcker eingekehrt, wo wir bisweilen das beste Baguette gekauft haben, welches nicht so anspruchsvoll wie sonst für unsere Kiefermuskeln war. Unsere Brotzeit zelebrierten wir auf einer Wiese am Wegesrand, wo wir unsere Stühle ausgepackt haben und die Sonne genossen. Nach weitern 12 km kamen wir bei einem Supermarkt an, wo wir für das Abendessen und für das folgende Frühstück eingekauft haben. Zum Zeitpunkt des Einkaufs hat sich teils etwas Skepsis in der Gruppe breit gemacht, da es schon fast halb fünf war und erst 36km auf dem Tacho standen. Jedoch verhalfen uns gute Straßen, Rückenwind und und etwas Gefälle dazu, dass wir gegen kurz nach sechs bereits 70km gefahren hatten. 30km vor Lyon konnten wir uns dann entspannt einen Schlafplatz suchen. Das erst beste Bauernhaus auf weitem Feld wurde angepeilt, wir kamen an, haben geklingelt, Hunde belten, eine Frau mit Pinsel kam raus, bendigte Hunde, wir fragten, sie bejahte, zeigte uns Platz hinterm Haus, Schlafplatzsuche beendet. Nach dem Lageraufbau konnten wir genüsslich unser Kilo Spaghetti mit Tomatensauce mit Gemüse drinne verdrücken wonach wir uns sehr zeitnah in unsere Zelte verkrochen, da mit dem Sonnenuntergang stetig die Temperatur fiel. Ein etwas unspektakulärer Tag und etwas Umstellung von kleinbäulicher Landwirtschaft auf riesige Felder mit gefühlt noch größeren Bewässerungsanlagen.

24. September 2018

Broissia 

1108km gefahren

 

Verges-Broissia 60km 

 

Mit dem Regen vielen auch die Temperaturen. Jedenfalls begaben sich Thomas und Antonius nach einer Nacht mit sehr viel Niederschlag  nach kurzer Inspektion um halb neun erstmal wieder zurück in die Zelte. Gegen zehn Uhr fanden wir alle den Weg aus den Zelten, wonach wir und dazu entschlossen, da weder Essen vorhanden war, bis auf eine Packung Müsliriegel, noch ein Laden in diesem Ort existiert, unser Lager abzubrechen und los zu radeln. In leicht lethargischer Manier war dies um halb eins vollständig geschehen. So folgten 25km auf fast nüchternen Magen. Zu unserem Glück hatten wir den sehr kalten und recht starken Wind an diesem Tag überwiegend im Rücken. Nach 20 Kilometern in die "richtige"Richtung gelangten wir an eine Hauptstraße an der wir hätten rechts fahren müssen. Weil sich jedoch allgemein der Hunger zu Wort meldete, musste wieder einmal Maps herhalten um uns zu dem nächst gelegenen Supermarkt zu führen. Dieser befand sich jedoch fünf Kilometer an der Hauptstraße links runder. Da uns wenig übrig blieb strampelten wir 5km gegen den Wind für Brot und Wasser. Nachdem wir unseren Umweg ausgeglichen hatten und die 5 Kilometer zurück geradelt sind, könnten wir nun endlich die langersehnte Brotzeit zu uns nehmen. Mit teils Müdigkeit und teils auch nur müden Beinen ging es nach verhältnismäßig kurzer Pause wieder auf die Räder. Die Temperatur in Kombination ließen es beinahe nur zu, sich nur in der Sonne aufzuhalten.  Naja, wer weiss was die kühle Luft für ein Vorgeschmack war... Jedoch konnten wir nach der Pause nach kurzer Phase der Müdigkeit relativ gut bei Sonnenschein und Rückenwind noch 30 Kilometer machen bis wir in einem Dorf am Wegesrand den ersten Bauern nach einer Wiese fragten. Dieser machte uns kurz klar wir sollen in folgen, worauf er sich in seine Karre schwang. Vielleicht wirkten wir auf ihn etwas sportlicher als wir tatsächlich sind, da er im seinem Auto eine äußert anständiges Tempo vorgab. Jedoch währte dieser Schlusssprint nur kurz und wir konnten es uns auf seiner kuhlosen Kuhwiese gemütlich machen. Das Abendessen, welches aus etwas Unentschlossenheit und fehlender Absprache zusammengewürfelt wurde, kann man in etwa so beschreiben: Die Spaghetti mit Maiserpsenmöhrenrahmsuace haben uns satt gemacht und ihren Soll erfüllt.

 

23. September 

Doubs -Verges

1048km

 

Doubs - Verges, 75km

 

Spät aufgestanden und Antonius fährt erstmal zum Supermarkt um zu gucken, ob er vielleicht am Sonntag geöffnet hat. Hatte er leider nicht. Der Tag fing schon windig an und wir wurden netterweise von unserem Gastgeber, einem Bauern, der in Doubs einen Hof besitzt, dazu eingeladen in seinem Wintergarten zu frühstücken. Mit dessen Wasserkocher gönnten wir uns erstmal einen schlecht schmeckenden Instantkaffee, aber besser als nichts. Dazu jeder noch ein Baguette und Joghurt mit Ananas aus der Dose. Schon war ein tolles Frühstück angerichtet. Danach der Aufbruch. Schnell die Zelte abbauen, alles auf die Räder und dann ging es um 12 Uhr los auf die Straße. Dort wurden wir "netterweise" von sehr starkem Gegenwind erwartet, der heute unser stetiger Begleiter war. Allerdings kein Grund die Köpfe hängen zu lassen. Zum Glück hatten wir zwei starke Vorreiter namens Antonius und Gerrit, die uns quasi durch den Gegenwind gezogen haben. Mit dieser Motivation und guter Musik, wurden die ersten 40km locker runter geradelt.
Dann erstmal Brotzeit. Schön in einer Bushaltestelle, windgeschützt mit leckerem pappigen Baguette, Banane und Mango. Als es dann weiter ging, teils motiviert teils fertig von der vorherigen Fahrzeit, ging es überraschenderweise höher hinaus als gedacht. Erster starker Anstieg, schöne Abfahrt, nächster höherer Anstieg, keine schöne Abfahrt. Die bis jetzt holprigsten und steinigste Passage unserer Tour. Wahrscheinlich lächerlich im Gegensatz dazu, was uns noch erwartet. Alles mal durchgerüttelt und froh, dass die Fahrräder und wir alles überstanden haben. Ein weiterer Begleiter unseres Tages, war ein wunderschöner Himmel, von dem es übrigens eine schöne Aufnahme auf unserem InstagramTV zu sehen gibt. Man wundert sich echt, wie sehr ein schöner Himmel, die Sonne, oder schöne Landschaft einem den Tag versüßen kann. Anschließend ging es auf die Suche nach einem Schlafplatz. In Verges angekommen, wo wir die erstbeste Möglichkeit ergriffen, einen "netten" Mann nach einem Platz für zwei Zelte zu fragen. Allerdings eine eiskalte Abfuhr kassiert haben. Kein Problem einfach den nächsten fragen. Die nächsten Leute gefragt, welche uns den Weg auf französisch, zu einem Bolzplatz/Bouleplatz/Spielplatz, beschrieben haben. Schwerer zu finden als gedacht, sind wir einmal durch den ganzen Ort gefahren, in dem nach unserem Eindruck übrigens mehr Hunde als Menschen leben, bis wir endlich an unserem heutigen Lagerplatz angekommen sind. Dort nochmal schnell ein paar Boulespieler gefragt ob es klar geht, zwei Zelte aufzustellen, was zu unserem Glück bejaht wurde. Schnell Zelte aufgebaut, an einem vorhandenen Wasserhahn mit kaltem Wasser und Seife gewaschen und ab in die warmen Abend-/ Schlafsachen. Das wohl beste Gefühl nach einer kalten Waschaktion. Anschließend 500g Couscous mit einem Liter Tomatensauce und Schafskäse verdrückt und ein abendliches Gespräch zur Tour geführt. Plötzlich wurden wir unterbrochen. Leichter Regen tropfte, worauf wir schnell alles für die Nacht vorbereiten wollten. Dabei konnten wir uns allerdings viel Zeit lassen, da Marian sagte:,,Zieht bestimmt sofort vorbei.“ Falsch gesagt! Wie aus dem nichts, platsche der Regen wie aus Kübeln aufs Zelt und der Wind pfiff uns um die sechs Ohren, außer bei Marian, der trug einen Turban. Also schnell Sachen und uns ins Zelt befördern und hoffen, dass wir die Nacht überleben.

 

22. September 2018

Doubs

973km gefahren

 

Irgendwo im Tal - Doubs, 65km gefahren

 

Abends dem Regen auf der Zeltwand zuhören und sich gemütlich in den Schlafsack kuscheln, um dann tief und fest zu schlafen bis man morgens von den ersten Sonnenstrahlen und der Wärme im Zelt geweckt wird. So hat uns Antonius am Abend zuvor seine Traumvorstellung beschrieben. Ganz so war es natürlich nicht. Morgens war es noch nass und schattig im schmalen Tal, wo sich allgemein der Herbst langsam bemerkbar macht. Erste Blätter wirbelte uns der Fahrtwind am Tag zuvor ins Gesicht und die Steilen Hänge färben sich schon hier und da etwas rötlich. Auch die Sonne schafft es nur mühselig über den Hang zu gucken, um dann schnell wieder zu verschwinden. Man hatte nicht wirklich Lust sich aus dem Zelt heraus zu begeben, aber irgendwann mussten wir ja. Bald wird es bestimmt Wochen geben in denen es durchregnet, jetzt liegen zu bleiben wäre da lächerlich. Heute mal kein Frühstück am Lager. Das wäre wahrscheinlich auch ungemütlich geworden. Immerhin regnete es nicht und es hatte bereits vor Stunden aufgehört zu weshalb wir die Sachen leicht feucht zusammenpackten und loszogen. Mit der Mission das Tal hinter uns zu lassen, was leider nur gelingen konnte wenn wir an geeigneter Stelle den Aufstieg wagten. Mit dem Gedanken an die lange und wunderschöne Abfahrt zwei Tage zuvor wussten wir alle was uns jetzt erwartete. Nämlich ein quälender Aufstieg, der uns bis auf 965m auf dem Col du Tounet führen sollte. Zunächst schoben wir den Aufstieg aber noch vor uns hin und orientierten uns weiter am Fluss in Richtung des Klosters in Consolation-Maisonnettes. Auf dem 20km langen Weg wurde das Wetter immer besser. Am Kloster, das heute als Spirituelles Zentrum genutzt wird, angekommen, konnte wir die Zelte auf einem leeren Parkplatz ausbreiten und in der Sonne trockenen lassen. Auf einer Mauer am Rande des Parkplatzes mit Blick auf das Kloster und die auf uns den Umständen entsprechend viel zu hoch wirkenden Bergen, frühstückten wir.  Nach einem ausgiebigen Frühstück mussten wir dann 'ran an den Berg. Eine erste Enttäuschung und ein paar schmunzelde Gesichter einer Gruppe Motorradfahrer mussten wir hinnehmen, als wir feststellten, dass die Straße, die wir am Kloster vorbei den Berg hinauf nehmen wollten gesperrt war und wieder umkehren mussten. Neuer Versuch! Über die Landstraße, die hier im Tal nicht allzu befahren war, ging es dann bergauf. Und irgendwie warteten wir von da an immer auf den Moment an dem die Steigung dann so wirklich hart wird und die Beine anfangen zu brennen, sodass die ganze Sache dann doch nicht mehr so gemütlich ist. Aber irgendwie kamen wir dann ohne diesen Moment oben an. Auf einer Ebene mit leichten grünen Hügeln im typischen "Almcharakter". Kuhglocken, grüne Wiesen und kleine Bauernhöfe. Doch hatten wir noch nicht alles geschafft. Über die Hügel ging es dann zu unserem zweiten Aufstieg, den wir aber ohne den erwarteten Moment meisterten. Oben angekommen auf den besagten 965m waren wir dann aber schon verschwitzt und zogen uns lange Sachen an um die Abfahrt in Angriff zu nehmen. Leider war diese nur kurz und endete er erneut in einer Hügellandschaft mit diesmal größeren Gehöften. Anzeichen von Zivilisation nach 3 Tagen? Ganz so schlimm war es dann doch nicht. Aber man fühlte sich in dem 50m breiten Tal dann doch häufig extrem abgeschnitten. Auf dem Weg über eine ehemalige Bahntrasse kamen uns immer wieder Inlinerfahrer entgegen, die mit Stöcken für die Langlaufsaison trainierten. Die Eisenbahnstrecke verließen wir in Doubs in der Nähe von Pontarlier der ersten größeren Stadt nach vier Tagen. Auf der Suche nach einem Supermarkt kamen wir dann zum Hyper U. Warum dieser Hyper U und nicht Super U, wie alle anderen Filiale dieser Kette hieß, wurde uns klar als wir uns das Gebäude genauer anschauten. Eine riesige überdachte Parkfläche, wie man sie vor einem Flughafen Terminal erwartet, auf der zweiten Etage ein Restaurant und umliegend weitere Geschäfte. Hier kauft die gesamte Region ein und wir entdeckten besonders viele schweizer Kennzeichnen. Hungrig und erschlagen nicht nur von der Tour sondern auch von diesem "Kapitalismustempel", wie wir in tauften, machten wir uns auf die Suche nach einer Schlafgelegenheit. Direkt bei der ersten Möglichkeit fragten wir bei einem Bauernhof, keine 300m vom Hyper U entfernt. Zwei Zelte? Terrain pour deux tents? Oui! Fertig. So einfach ist das wenn man nicht die Möglichkeit hat Dinge groß auszuformulieren. Dann schnell die Zelte aufgebaut, Nudeln gekocht noch ein bisschen regionalen Wein zur feier des Tages getrunken und dann ab ins "Bett".

 

21. September 2018

Irgendwo im Tal

907km gefahren

 

Glère- irgendwo weiter den Fluss runter, 36 km

 

Der weiße Nebel wunderbar. Das wunderbare, nur circa 50 Meter breite, Tal war komplett von Nebel verhangen. Wir wissen nicht wie oft der Spruch noch kommen wird, also gewöhnt euch dran. Aber das war bis jetzt unser schönster Zeltplatz. Mit auch ein Grund warum wir mal wieder nicht losgekommen sind.
Als jedoch die Sonne langsam über den Berg wanderte und wir unser Frühstück verdrückt haben, welches Antonius der Ehrenmann frisch im Tante Emmaladen im Dorf Glére besorgt hat, starteten wir mit gepackten Taschen. Ziel? Irgendwie raus aus diesem Tal... Wir waren vor lauter Schönheit der Berge ein bisschen weit in die Hügel geritten.

Nach den ersten 20km an einem schönen Fluss entlang, erreichten wir ohne viel Steigung  Saint Hippolyte, wo wir unser täglich Brot kaufen konnten. Ein nigelnagelneuer Supermarkt hatte dort zu unserem Glück gerade neu eröffnet, sonst hätten wir wohl echt ein Problem gehabt.
Den Proviant verstaut, ging's bei immer grauer werdenem Himmel weiter. Bis zu unserer Mittagspause die am Nachmittag war, kamen aber nur ca. drei Tropfen runter und wir haben am bisherig schönsten Pausenplatz am Fluss mit Parkbank und Tisch, das Gemüsepfannenrezept von gestern Abend nur mit Nudeln gekocht.
Die Tour besteht irgendwie "nur" aus Zusammenpacken, Essen und Fahrrad fahren aber weils so geil ist sind wir nach der Pause natürlich weiter gefahren.
Leider wurde das Wetter nicht besser und die Regenjacken mussten an den Start. Da kam dann auch der Gedanke auf, dass dieses Tal zwar schön und idyllisch ist, bei dunklem und ungemütlichen Wetter jedoch sehr bedrückt und einengt.
Gerne wären wir der Enge entflohen, doch der Regen wurde immer stärker und war es auch schon 18:00 Uhr, dass wir am nächsten Haus mit großen etwas ebenen Garten nach einem Zeltplatz fragten.
Unsere Verständigungsprobleme sind dort schon von Vorteil, weil die Franzosen uns gar nicht viel fragen können, was wir Vorhaben, da wir es nicht verstehen und wer kann zu solchen netten hilflosen Jungs bei Regen schon nein sagen?
Es war das erste Mal, dass wir die Zelte im Regen aufbauen mussten, aber es funktionierte (den Fakt, dass der Innenzelteingang zur Außenzeltrückwand stand mal ausgelassen).
Drinnen im warmen und trocken Schlafsack, hat dann jeder ab sieben Uhr gelesen oder sonst irgendwie rumgedümpelt und dem Regen, der auf die Zelte tropfte gelauscht.

20. September 2018

Glère

871km gefahren


Hagenthal-le-Bas - Glère, 65km


Zelt aufgemacht, rausgekrochen und wieder wurden wir von bestem Wetter empfangen.

Es war alles ziemlich klamm, weshalb wir quasi "gezwungen" wurden in Ruhe zu frühstücken und den heutigen Tag zu planen, um alles von dee Sonne trocknen zu lassen.

Dafür schafften wir es innerhalb einer Stunde unser Lager abzureißen und zurück in unsere Taschen zu stopfen.

Elf Uhr: Sticker bei unseren interessierten Nachbarn aus einem sehr interessanten Haus (schwedische Architektur, ganz in Schwarz, mit nur einem kleinen Fenster zur Straße, jedoch mit großen Glasfronten zur anderen Seite) eingeworfen und losgefahren.

Der Plan war es aus Frankreich heraus einen Zipfel Schweiz zu durchqueren und am Abend auf der anderen Zipfelseite wieder in Frankreich zu nächtigen.

Bis Levoncourt(F) ging es circa 25 km zwei nette Hügel rauf und runter. Auf dem zweiten machten wir unsere Mittagspause, denn auf 610m höhe hat man eine gute Aussicht und auch guten Internetempfang (es fehlte uns auf dem Navi noch die Schweizkarte, welche wir dann runtergeladen haben).

Von dort wurde Glére angepeilt, allerdings hatten wir unsere Zweifel dort anzukommen, denn 711 Höhenmeter auf 30km kamen uns recht viel vor.

Ab einem schweizer Ort, dessen Namen wir nicht mehr Wissen, ging es dann hoch und auch hoch und auch wirklich hoch. 12 km die Serpentinen mit dem ersten Gang besteigen und aufpassen das man bei den Tempospitzen von 9kmh nicht umfällt.

Der Ausblick von 860 Meter Höhe ist grandios.

Nun war es leider schon 18:00 Uhr und wir brauchten einen Schlafplatz. Da kam das alte Schweizer Zollhaus auf dem Berg gerade gelegen um nach einem Stück Wiese zu fragen. Nur machte keiner die Tür auf und wir mussten weiter über die Grenze fahren. Ganze 10m! Dann trafen wir Harry und Martine welche uns zu ihrer Tochter im Tal schickten. "Die haben einen Bauernhof und mehr Platz."

Es folgte eine 10km Abfahrt mit den schönsten Ausblicken der bisherigen Tour. Leider geht's runter immer zu schnell, alsooo zeitlich nicht tempolich.

Mit Glére erwartete uns ein schönes verschlafenes Dorf und zu unserem Glück ein kleiner Einkaufsladen um Zutaten für unseren "Reis-mit-Scheiß" zu besorgen.

Nun nur noch die richtige der beiden Straßen wählen und zur Hausnummer 57 finden.

Nach 65 km erreichten wir mit schlappen Beinen den Bauernhof, wo wir nach wenig Erklärung direkt unsere Zelte aufschlagen durften. Am angrenzenden Bergbach neben unserem Camp wuschen wir uns, noch schnell 500g Reis verdrücken, Zähne putzen und gute Nacht.