3. Dezember 2018
Korce
4175km gefahren 
Hotolisht-Korce, 42+20km
Es war die erste wirklich kalte Nacht. Trotz Eis auf der Zeltwand, haben wir diese sehr gut überstanden. Mit strahlender Sonne sind wir natürlich etwas später als die beiden Franzosen losgefahren. Auf dem Weg nach Pogradec, eine Stadt am Süden eines Sees, der an der einen Seite an Albanien grenzt und an der anderen an Mazedonien, mussten wir über einen nennenswerten Pass hinüber. Diesen erreichten wir nach gut ein dutzend Kilometern. Auf der anderen Seite unten angekommen waren wir bereits am See und konnten gut 20km auf flacher Strecke nach Pogradec fahren. Aufgrund der kurzen Tage, wollten wir kurz hinter Pogradec schon nach einem Schlafplatz suchen, da die Dämmerung bevor stand und wir den bevorstehenden Pass an diesem Tag nicht mehr anbrechen wollten. In gewisser Weise taten wir dies gezwungener Maßen schlussendlich doch, da wir mehrfach abgewiesen worden sind und man uns mitteilte, dass campen dort wohl nicht drinn saß. Nun ja... unverhofft kommt oft... Gerade zu Beginn entschleunigte ein Auto neben uns und hinaus wunk der selbe Mann mit dem weißen Bart, der uns bereits zwei Tage zuvor auf dem Weg nach Elbasan gegrüßt hatte. Er fragte uns auf Deutsch, ob wir was zum schlafen suchen würden und Antonius antwortete ihm, dass wir was suchen würden. Da er 20km weiter wohnte, konnten wir unsere Fahrräder in den riesigen Anhänger packen, den er glücklicher Weise dabei hatte. Wir quetschen uns alle in seinen VW Sharan zu ihm und einem weitern Beifahrer. Also sind wir auf albanische Art erstmal mit ihm einen Kaffee trinken gegangen und konnten unsere Fahrräder bei dem Besitzer von dem Café in der Garage lassen. Dort wo der Luan, so war sein Name, auch sein Auto geparkt hat. Anschließend sind wir mit Luan 200 Meter zu seiner Wohnung gegangen, wo wir dann gekocht haben. Während des Essens hat er uns auch noch ein bisschen von ihm erzählt. Beispielsweise spricht er deutsch, weil er in Kassel gelebt oder wir er in den 90er Jahren mit Abfallprodukten aus der DDR gutes Geld verdient hat. Naja, es war auf jedenfall ein sehr interessanter Abend bei einem sehr netten Mann. In seinem Wohnzimmer war genug Platz für uns und mit einem Ofen im Raum war es auch noch schön warm. Eine weitere wirklich unvergessliche Begegnung auf unserer Tour!
2. Dezember 2018
Hotolisht
4133km gefahren
Elbasan - Hotolisht, 42km
Die Sonne schien morgens direkt warm auf die Zelte, sodass wir schnell auftauten. Wir wurden nachts nicht vom Besitzer erwischt/verscheucht und als wir morgens beim Frühstück saßen und der vermeintliche Besitzer vorbei kam, winkte dieser nur, lächelte und dachte bestimmt:,, Hey geil, dass ihr auf meiner Wiese pennt! " Deswegen mussten wir uns also darum keine Sorgen machen. 
Während des Zusammenpackens beobachteten wir schon immer die Straße, in der Hoffnung die Franzosen zu sehen, welche die gleiche Strecke wie wir heute fahren wollten und in Elbasan gestartet sind.
Gegen 10:00 Uhr fuhren sie tatsächlich vorbei, jedoch hörten sie unser Rufen nicht.
Motiviert sie einzuholen starteten wir unsere Route Richtung Pogradec immer der SH3 entlang. Eine eigentlich sehr schön Strecke entlang eines Flusses durch ein Tal. Einzig die tausenden Flaschen, Tüten und sonstiger Müll, der eigentlich jede Straße Albaniens säumt und jeden Fluss verseucht störte. 
Gegen 11 Uhr erkannten wir in der Ferne zwei sich den Berg hoch kämpfende Radfahrer und tatsächlich hatten wir wenig später Michael und Marine eingeholt. 
Kurzer Schnack und weiter... Vielleicht bis später? 
Weiter ging es auf der 
SH3 durch verlassene kleine Täler. Es gab keine Dörfer oder Siedlungen, sondern die Häuser waren immer überall über die ganzen Hänge verteilt. 
Wir haben zwischendurch am Straßenrand noch am Brunnen mit frischem Bergwasser unsere Trinkvorräte aufgefüllt, die Jacke ausgezogen, denn die Sonne wärmte ordentlich. 
Immer wieder durchfuhren, überfuhren wir eine alte Bahntrasse welche sich ebenfalls am Berg entlang wandte. Wieder eine Kulisse für "die schönsten Eisbahntrassen". 
Gegen 14:00 Uhr wurde auf einem Parkplatz Brot gefuttert und ein bisschen ausgeruht. Ca. 27km waren schon geschafft. 
Auch nur 15km später und eigentlich noch recht früh am Abend, fanden wir unseren Schlafplatz. Antonius inspizierte gerade einen abzweigenden Feldweg, als ihm ein Mann entgegen kam, der nur "Tenda?" fragte und schon direkt auf einen kleinen Platz zeigte, welcher ca. 
150m von der Straße entfernt lag. Hier blieben wir natürlich. Direkt an einem leider wieder vermüllten Bach, keine Ahnung wer seinen eigenen Lebensraum so verdreckt. Ebenfalls zu Füßen einer alten Eisenbahnbrücke und wir erklimmten natürlich erstmal den Berg, um von der Brücke ins Tal zu schauen. 
Danach ging es an den Zeltaufbau. Und jetzt ratet, wer kam dort angefahren? Richtig, die Franzosen! Welche ähnlich froh waren wie wir einen Schlafplatz gefunden zu haben und noch zusammen einen netten Abend miteinander zu verbringen. 
Durch unsere Feuertonne konnten wir auch noch bis 20:00 Uhr draußen sitzen, allerdings wurde es dann schon zu kalt. Es bildete sich schon Eis auf den Zelten. 
Mit warmen Gedanken schliefen wir ein.
1. Dezember 2018
Elbasan
4091km gefahren
 
Mulles-Elbasan, 46km 
An diesem Tag wurden wir wieder mal von bellenden Hunden geweckt. Ansonsten war der Morgen recht unspektakulär. Spätes Frühstück, spätes zusammenpacken und spätes Losfahren. Die ersten paar Kilometer ging es glücklicherweise Berg ab, da wir die Strecke vom Vorabend wieder runter fahren mussten. Wir fuhren gerade an einem Jungen in unserem Alter vorbei. Auf einmal knallt es. Wir rechnen damit, dass der Junge einen Böller explodieren lassen hat. Falsch gedacht...Beim Blick nach hinten sahen wir nur, wie Gerrit ins Schwanken geriet und anfing zu bremsen. Sein Schlauch, inklusive Mantel ist geplatzt. Dies lag daran, dass eine Seite von Gerrits Pflegen Bremse, die in Shkodra bei der Reparatur seiner Gabel, falsch eingestellt wurde und nun die ganze Zeit beim fahren, und vor allem beim bremsen an dem Mantel geschliffen hat. Durch den hohen Verschleiß, platzte dieser nun. Zum Glück haben wir uns vor der Tour mit einem Faltmantel und ausreichend Ersatzschläuchen ausgestattet, sodass wir den kaputten Teil des Reifens relativ schnell austauschen konnten. Nach diesem Schock ging es weiter, auf der Autobahn, in Richtung Elbasan. Diese mussten wir nach einigen gefahrenen Kilometern verlassen, da dort die Autobahn noch gebaut werden musste. Auf einer Landstraße ging es dann weiter. Diese verlief zu unserem Nachteil über die Berge, weshalb es erstmal ein paar Höhenmeter zu erklimmen gab. Wie man weiß, auf bergauf folgt bergab. Durch einen Tunnel ging es los, bis nach Elbasan ca. 10km bergabwärts. In Elbasan haben wir eine kurze Pause auf dem Kreisverkehr gemacht und sind einkaufen gegangen. Beim Einkauf kamen wir auf die glorreiche Idee uns eine Brenntonne aus einer 2,5kg Dose Passierte-Tomaten zu bauen. Anschließend noch ein paar Kilometer raus gefahren, wo uns noch ein sehr netter Mann mit weißem Bart aus seinem Auto ein paar nette Dinge zugerufen hat. Unser Schlafplatz war auch schnell gefunden, ein Feld direkt unterhalb der Straße an einem Fluss in Elbasan. Dort gab es als Abendessen 2,5kg passierte Tomaten mit 500g Couscous. Schnell noch ein paar Löcher in die Dose gehauen und einen zweiten Boden aus dem Deckel gebastelt. Zeit für unser erstes Feuer. Bei der Kälte, die uns in den letzten Tagen erreicht hat, echt sehr nützlich. Danach ab in die Horizontale.
27.-30. November 2018
Mullet
4045km gefahren
 
Shkodra-Tirana-Mullet, 112km
Nach einem Tag Pause in Shkodra, unter anderem wurde dort Gerrits Fahrrad repariert, ging es voller Motivation Richtung Tirana. Ziemlich genau 100 Kilometer sollten es sein und ausschließlich Ebene Straße, weshalb wir dieses Strecke in einem Tag hinter uns bringen wollten. Knapp 50 Kilometer im trockenen gefahren, bis wir uns wegen einer vor uns liegenden Regenwolken dazu entschieden flott eine Brotzeit zu uns zu nehmen. Wieder aufgesattelt fing es sofort zu regnen an. 
Wenige Minuten anhaltender Platzregen und darauf folgender Nieselregen begleiteten uns 15Kilometer, bis Antonius binnen Sekunden die Luft aus dem Hinterreifen zischte. Fck... ein platter Reifen. Ein Glück passierte dieses direkt vor einer Tankstelle, wo wir uns eben unterstellen konnten und Antonius wie ein Weltmeister in Rekordzeit einen neuen Schlauch reinziehen konnte. Eben wieder vier Bar auf den reparierten Reifen drauf geknallt und es konnte weiter gehen. Und so fuhren wir und fuhren wir immer geradeaus durch uns total fremde Gegenden, die dahingehend fremd erschienen, da Häuser, Autos und das gesamte Straßenbild nichts mehr mit unseren Westeuropäischen Vorstellungen zu tun hatten. Während es zu dämmern begann, kamen wir nach und nach der Stadt näher. Ungefähr bei Kilometer 85 kamen wir in mitten von Blechlawinen zum stehen. Direkt, noch bevor wir je Tirana gesehen hatten, wurden wir mit dem außergewöhnlichem Verkehr im Kontakt gebracht. Rush Hour! Die Chaoten quetschen sich zwischen den Autos hindurch, mal links, mal rechts vorbei, aber schnell lies es uns nicht wirklich nennenswert voran kommen. So zogen sich die letzten Kilometer hin und anbei fing es wieder an zu regnen. Völlig ausgehungert haben wir 2 Kilometer vor unserer Herberge jeder zwei Döner und Gerrit eine Pizza verdrückt. 
Mit ein wenig Hilfe eines Einheimischen, der uns extra zum Hostel geführt hat, da die Hausnummern bei Maps falsch sind, sind wir gegen viertel nach acht dann endlich müde im Hostel in Tirana angekommen. 
Am nächsten Tag war dann wieder ein Treffen mit Blendi geplant. Der uns an der Grenze schon herzlich empfangen hatte. Nachdem wir uns anständig von dem anstrengenden Vortag erholt hatten, gingen wir also gegen halb vier Richtung Innenstadt. Erwähnenswert hier ist zudem, dass wir genau am albanischen Nationalfeiertag da waren. Auf dem großen Marktplatz vor dem Nationalmuseum war es also voll mit Menschen und das Bild glich einer Mischung aus Weihnachtsmarkt und Kirmes. Gegen frühen Abend haben wir uns dann dort mit Blendi und Redi, ein Freund von Blendi den ebenfalls schon an der Grenze trafen, getroffen . Nachdem wir an einem "Weihnachtsmarktstand" ein Bierchen getrunken hatten, führten sie uns in ein typisch albansiches Restaurant. Essen gehen mal etwas anders. Grad zwei Minuten saßen wir am Tisch, da hatten wir schon leere Teller bekommen, der Tisch platzte vor Töpfen und Schalen mit Essen und jeder hatte sein Pilsbier vor sich stehen. So konnte sich jeder durchprobieren und nehmen was er wollte. Genug war auf jedenfall da und zudem war es auch unglaublich lecker. Nun ja, so waren wir binnen kurzer Zeit bis oben vollgegessen und jeder hatte seine Handvoll Pilsbier auf. Nach dem Essen sind wir alle zusammen in eine Kneipe gegangen, wo wir von einem weitern Freund Amarildos (Antonius albanischer Arbeitskollege in Deutschland) bedient wurden. Mit der Zeit füllte sich neben uns auch der Tisch. Während Raki und Bier flossen, kamen die Schweizerinnen Tanja und Rafaela, der Belgier Geert und Blendis Cousin Soni dazu. Ein wirklich wunderbarer Abend, der sich sehr lange hinzog...
 Da wir am Morgen nicht so richtig fit und motiviert waren, entschieden wir im Hostel eine Nacht zu verlängern. Auch weil wir für den nächsten Abend nochmal eingeladen wurden. 
So hatten wir bis zum späten Nachmittag Zeit, ein bisschen unserem privaten Zeugs nachzugehen. Gegen frühen Abend wollten wir uns wieder mit Blendi, Redi und Soni treffen. Verabredet mit ihnen, haben wir uns in einem von ihnen ausgewählten Café. Dort haben wir entspa
26. November 2018
Shkodra 
3933km gefahren
Shkodra, 0km
Am Morgen prasselte der Regen immer noch an das Fenster, sodass wir sehr froh über ein Dach waren.
Eigentlich wollten wir heute weiter fahren, doch Chuck kennt in Shkodra einen Fahrradmechaniker der eventuell Gerrits Gabel zurückbiegen kann. 
Also konnten wir in Ruhe Kaffee trinken und Müsli essen. 
Gegen 10 Uhr waren wir startklar um zur Werkstatt zu fahren. 
Wir fuhren noch die ersten 100m mit den beiden Schweizer Shrimps welche heute nach Tirana fahren wollten. Vielleicht sieht man sich ja noch mal dort... 
Zur Werkstatt ging es schon über den ersten Markt, wo allerlei 
Obst und Gemüse angeboten wurde. 
Dort angekommen verabschiedete sich Chuck Richtung Zuhause und wir versuchten mit Erfolg dem Mechaniker zu erklären was kaputt ist. Wir hatten wenig Hoffnung das er die Gabel zurück biegen könnte, weil schon die Werkstatt nicht sehr professionell aussah. Eine einfache Garage mit einem vollgepackten Werktisch in der Ecke, Fahrradreifen hingen von der Decke und in unaufgeräumten Regalen standen Fake-Markenproduktersatzteile. 
Um uns die Wartezeit zu verkürzen wurden wir von einem dort helfenden Rentner in ein Café eingeladen. Wenn wir sein gebrochenes Englisch richtig verstanden haben, ist mit den Kunden Kaffee trinken gehen seine einzige Aufgabe. 
15min lustige Englisch - Albanisch Unterhaltung, über das Wetter, die Werbung auf den 14 Fernsehern im Café und das Leben des Opas später, sind wir wieder zurück zur Fahrradwerkstatt und siehe dort stand ein repariertes Fahrrad von Gerrit. 
Wir fragten nicht wie er die Gabel zurück gebogen hat, aber waren uns
sicher für die 1000 Lek (ca. 9€)hätte in Deutschland keiner dieses Werk verrichtet. 
Es hatte wieder angefangen zu regnen, weshalb wir statt die Stadt mit Fahrrad zu besichtigen zu Chuck und Susan zurück fuhren und zu Fuß mit Schirm zur Stadtbesichtigung starteten. 
Im Gegensatz zu westlichen Städten gibt es in Shkodra nicht eine gut besuchte Innenstadt, sondern direkt vor der Haustür fängt der Trubel an.
Leute kaufen in kleinen Läden Haushaltsgegenstände oder Fake Klamotten, viele sitzen in Cafés und schauen auf die zahlreichen dort hängenden Bildschirme, an Marktständen wird gefeilscht und überall fahren interessante Gefährte wessen TÜV fraglich ist. 
Und mitten drin die vier staunenden Touris. 
Allein schon der Verkehr ist Unterhaltung genug. Es gibt nämlich keine einzige Ampel in Shkodra und in den zahlreichen Kreisverkehren müssen die Busse gut und gerne hupend zurücksetzten um rum zu kommen. Natürlich schlängeln sich währenddessen noch 2 Motorräder und 4 Fahrräder vorbei. 
Shkodra ist nämlich bekannt als die albanische Fahrradstadt. Es gibt zwar keine Radwege etc. allerdings hat der hiesige Radfahren ziemlich oft Vorfahrt und auch generelle Verkehrsregeln wie Licht bei Dunkelheit, nicht gegen den Verkehr fahren gelten nicht wirklich. 
Der klassische Radfahrer ist hier männlich, über 50 Jahre, mit einem Hollandrad, in der linken Hand den Schirm und die rechte am Lenker wo der Einkauf vom Markt sanft hin und her schaukelt. 
Nach dem wir einmal durch die Fußgängerzone gelaufen sind, knurrte der Magen und wir testeten die Burekbäckereien. Als wir aus der Bäckerei kamen, schauten einen plötzlich kleine runde Kinderaugen an und die schmudeligen Hände verlangten einen Taler von dir.
Auch das war neu für uns und wir hatten kein gutes Gefühl als wir beim zweiten Bettlerkind den Wunsch nicht erfüllten. 
Die Armut in Albanien ist nicht zu übersehen und auch das durchschnittliche Einkommen von ca. 300€ im Monat ist knapp. 
Nach dem wir noch durch die ein oder anderen Gasse gelaufen sind, Gerrit sich noch ein mit Sicherheit "originales" Samsung Ladekabel gekauft hat, machten wir uns durch den ganzen Trubel zurück zur Unterkunft. 
Dort empfing uns Susan mit den Worten:,,Welcome to the east!" und das beschreibt Shkodra treffend. 
An der Unterkunft bastelten wir noch an der Website, tranken Café und abends machte Antonius für alle Kartoffeln auf dem Backblech, während die Franzosen ganz klischeehaft Crêp
25. November 2018
Shkodra 
3933km gefahren 
 
Vladimir-Shkodra, 15km
 Es war zwar echt schön im Truck, geschützt von den Tieren und dem Regen zu schlafen, allerdings nicht wenn deine Matratze ab 4 Uhr keine Luft mehr in sich behält. 2 Stunden schlief Marian so noch weiter, stand dann aber auf und ließ die anderen weiterschlafen. Im Dorf Vladimir schlief noch alles außer die Hähne, die natürlich schon krähten. Da der Regen gerade aussetzte, konnte Marian in aller Seelenruhe ein bisschen durchs Dorf schlendern. Mal ein paar Stunden auf dieser Tour zu haben, in denen man mal Zeit nur für sich hat und runterkommen kann, ist ein Luxus auf dieser Tour, den man wirklich zu schätzen wissen kann. Da lohnt es sich auch mal ein paar Minuten früher aufzustehen. 
Um 8 Uhr kam der nette Mann vorbei, bei dem wir heute nächtigten, und fragte ob jemand mitkommen möchte Kaffee trinken. Da es schwierig ist, so ein Angebot abzuschlagen, entschieden sich Thomas und Marian dazu mitzufahren. Die anderen beiden schliefen weiter. Im Kaffee angekommen, in dem am Morgen schon schön laut aufgedreht der Soundtrack von Titanic und später noch Modern-Talking lief, trafen wir einen Bekannten von unserem Gastgeber. Der Kaffee wurde uns trotz leichtem Protest ausgegeben, genau so wie der Byrek(Blätterteig mit Schafskäsefüllung), den wir für das Frühstück bei einer Bäckerei geholt haben. Zurück am Haus, schnell die anderen beiden geweckt und im warmen Haus mit unserem Gastgeber, Avdullahs und seiner Familie gefrühstückt. Draußen hatte es wieder zu schütten angefangen, trotz dessen mussten wir unsere Sachen zusammenpacken, da wir uns an der Grenze mit Blendi, einem Freund von Antonius albanischen Arbeitskollegen, der uns an der Grenze willkommen heißen wollte. Da der Regen nicht weniger wurde, bot Avdullah uns an unsere Fahrräder in den Truck und uns zur Grenze zu fahren. Fahrräder hinten rein, kein Problem, mit fünf Leuten in eine Sitzreihe, auch kein Problem. Avdullah am Lenkrad, Antonius, Thomas, Marian auf den 2 Sitzen daneben, und Gerrit auf Thomas Schoß. Kein Problem!!! Dazu war das Fenster voll beschlagen, welches Avdullah beim fahren mit einer Hand abwischte. Mit der anderen Hand hielt er sein Handy an sein Ohr. Scheint hier üblich zu sein. Gesund und Munter an der Grenze angekommen, nochmal bei Avdullah für alles bedankt, Fahrräder rausgeholt und weiter zur Grenzkontrolle. Nach einigen Minuten durcheinander konnten wir dann auch die Grenze überqueren. Eine sehr interessante Grenzkontrolle, mit überforderten unfreundlichen Polizisten, die ihr Koltgürtel einfach mit Waffe über den Jackenhalter geworfen haben. Fragwürdig ob das so ok ist. 
An dem ersten Kaffee nach der Grenze hielten wir an und warteten auf Blendi. An dem Kaffee hatten wir W-LAN, weshalb wir in der Zeit, in der wir auf Blendi warteten uns die Zeit nahmen eine Warmshower anzuschreiben. Diese antworteten uns sofort, mit einer Zusage. Perfekt, bei dem Wetter hätten wir keine Lust gehabt unsere Zelte aufzuschlagen. Zufälligerweise fuhren die Radreisenden aus Frankreich, die wir einige Tage zuvor kurz vor Dubrovnik getroffen hatten, auch an diesem Kaffee vorbei, und tranken einen Cappuccino mit uns. Außerdem kam Blendi mit zwei Kollegen vorbei. Sehr interessante Zusammensetzung. Wir vier Landeier aus Deutschland, die ein bisschen englisch und deutsch können, zwei Franzosen, die englisch können, die drei Albaner aus der Großstadt Tirana, von denen einer ein bisschen deutsch kann. Nach ein paar Minuten verabschiedeten sich die Franzosen, die auch zur gleichen Warmshower führen wie wir. Wir saßen noch ein bisschen im Kaffee und machten uns auch nach einiger Zeit auf den Weg. Noch 15 km bis Shkodra. Die ersten 10 km bekamen wir eine Eskorte von Blendi und seinen Kollegen, die hinter uns mit ihrem Auto herfuhren. Danach fuhren wir 4 alleine weiter. Besorgten uns noch eine Internet Karte, und machten uns auf die letzten Meter nach Shkodra. Dort sind wir dann im dunkeln angekommen. Susan und Chuck unsere Warmshower Hosts öffneten die Tür und hießen uns herzlich willkommen. Dort waren zu unserer Überraschung noch drei weitere Radfahrer, neben den beiden Franzosen. Geert ein Belgier und Raffaela und Tanja aus der Schweiz. Nach einer warmen Dusche aßen wir alle zusammen, das zuvor zubereitete Essen von Susan. Dazu eine Menge Wein und Spaß. Immer wieder schön Menschen zu treffen, mit den man sich austauschen kann. Unsere Matratze konnten wir dann im Wohnzimmer ausbreiten.